Wahrnehmung F10: Warum viele Autisten feste Strukturen brauchen

Shownotes

In dieser Folge erfährst du:

• Warum viele Autisten feste Strukturen benötigen • Weshalb Vorhersehbarkeit oft wichtiger ist als starre Pläne • Wie Unsicherheit Stress und Anspannung auslösen kann • Warum soziale Situationen häufig schwer vorhersehbar sind • Weshalb Entscheidungen oft mehr Energie kosten als viele denken • Wie Routinen helfen können, den Alltag zu bewältigen • Warum Veränderungen nicht grundsätzlich das Problem sind • Welche Rolle Vorbereitung bei Veränderungen spielt • Persönliche Einblicke aus meinem Arbeitsalltag • Was hinter dem Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung steckt

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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen bei Autismus Talk, dem Podcast der Verständenschaft.

00:00:06: Ich bin Mike Blumenberg, Autor, Podcaster und Content Creator.

00:00:10: Hier spreche ich offen über Autismus, über echte Erfahrungen, Aufklärung und das Leben auf dem Spektrum mit dem Ziel mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen.

00:00:19: Schön dass du eingeschaltet hast und Teil dieser Reise bist!

00:00:23: Erst mal zu neuen Updates.

00:00:25: zu mir – also ich bin noch krank geschrieben diese Woche aber wegen Grippe weil Ja, letzte Woche irgendwie mir irgendeine Grippe reingeballert habe.

00:00:36: Man hört es auch noch... Sorry!

00:00:39: Ich war sogar Sonntag im Klinikum um mir Antibiotika geben zu lassen weil sonntag kam ich gar nicht mehr.

00:00:46: klar hab mich von meiner besten Freundin hinfahren lassen und ja das jetzt geht's langsam wieder bin ich auf Ruhr drüber sonst hätte ich noch mehr Schwierigkeiten mit dem Podcast heute.

00:01:00: Also, das ist... Ja.

00:01:04: Es geht auf jeden Fall jetzt wieder!

00:01:05: Ich hatte Halsschmerzen, ich hatte Kopfschmerz, ich konnte mich kaum bewegen, Nase zu und Pusten.

00:01:14: Das war echt extrem nervig.

00:01:17: Und zu meinen psychischen Sachen habe die Tagesklinik natürlich beantragt.

00:01:24: Ich warte darauf, dass irgendwann kommt, dass sie sagen hier können in die TagesKlinik.

00:01:32: Ich muss jetzt auch nächste Woche wahrscheinlich wieder arbeiten, weil ich mit dem Geld überhaupt gerade nicht auskomme.

00:01:39: Weil ich natürlich nur Stundenlohn bekomme.

00:01:43: Das ist ja allgemein mit diesem Job schon schwierig wirklich auf seine Kosten zu kommen und diesen Monat werde ich wahrscheinlich zwei Hundert Euro Minus haben.

00:01:51: das wird auch nichts sehr einfach sein.

00:01:56: Und was gab es noch?

00:01:57: Ja Pflegegrad habe ich beantragt also Wieder mal den Pflegegrad, ich hab ihn schon zweimal beantragt, zweimal wurde abgelehnt.

00:02:05: Aber das war zu den Zeiten wo ich mich mit Autismus noch nicht so gut auskannte.

00:02:10: Ich habe mich jetzt auch mit Autismus und dem Pflegegrat beschäftigt.

00:02:14: Ich habe auch den Pflegegrad Rechner benutzt.

00:02:16: Und ja es kommt vielleicht bei manchen rüber dass mein Leben ich total perfekt super gut meistern kann.

00:02:26: aber Genau dieselben Schwierigkeiten wie auch andere Autisten, ob es Kommunikation ist.

00:02:33: Genauso mit ADHS natürlich auch... ...ob es mit der Ernährung ist ich vergesse Essen Ich spüre halt kein Hungergefühl, ich spüre keinen Sattgefühl.

00:02:43: Ich ernähre mich total schlecht.

00:02:46: Manchmal vergeht sich das Essen komplett den ganzen Tag.

00:02:49: Ich vergesste Termine Arzttermine alles Mögliche also... ...ich habe mit dem Pflegerechner errechnet dass ich Wahrscheinlich in den Pflegegrad drei sogar kommen würde.

00:03:01: Also ich habe den komplett ausgefüllt und nachgeprüft wirklich die Schwierigkeiten ehrlich angegeben, und es sind halt immer so Momentaufnahmen, die man jetzt zum Beispiel auch im Podcast sieht wo man denken könnte der macht hier der klärt auf der hat sein Leben voll unter Kontrolle und viele wissen wahrscheinlich weil sie den Podcast schon etwas gehört haben dass ich überhaupt nichts unter Kontrollen habe.

00:03:25: aber ja Ich werde gucken, ich habe mich davor bereitet.

00:03:31: Auch zum Beispiel im Bereich Bewegung.

00:03:33: Ich hab Stimming, ich... ...habe Ticks, ich knifte die Augen zu und ich reusbar.

00:03:41: Was mache ich noch?

00:03:44: Ich backe mit dem Fuß, mit den Beinen also ich mach sehr viel Stimming.

00:03:48: Ich kann nicht still sitzen wenn ich telefoniere oder wenn ich auf etwas warte dann muss ich mich bewegen.

00:03:52: Ich habe den Bewegungsdrang vom ADHS.

00:03:54: auch Ich habe sehr viele Dinge, die in den Pflegegrad reinfallen.

00:04:00: Und ich werde natürlich schauen dass ich auch einen Pflegerad bekommen weil es eine enorme finanzielle Erleichterung ist und wenn ich mal Schwierigkeiten habe den Haushalts allein zu schaffen auch eine Haushaltskraft damit bekommen kann also jemand der mich im Alltag unterstützt.

00:04:20: Deswegen werde ich da auf jeden Fall dran bleiben!

00:04:26: Ja, wenn ihr irgendwie Fragen jetzt zu den Sachen habt die ich jetzt erwähnt habe.

00:04:31: Gerne in die Kommentare oder schreibt mir per Instagram auf autismustalk.podcasts.

00:04:37: und ja dann würde ich sagen kommen wir zum heutigen Thema denn heute ist das Thema warum viele Autisten feste Strukturen brauchen?

00:04:47: Ich weiß nicht ob der Podcast die Überschrift bekommen wird, da möchte ich noch schauen.

00:04:51: Überschufe Beschreibung mache ich immer danach wenn ich fertig bin.

00:04:54: Ich habe noch ein bisschen mit der Nase zu kämpfen, deswegen wenn ich mal ein bisschen komische Geräusche mache tut es mir leid.

00:05:01: Und ja, deswegen gerede jetzt viel und dann ist das natürlich mit der nase auch ein bisschen schwieriger.

00:05:09: Gut also fangen wir an denn viele Menschen denken bei festen Strukturen sofort am starre Tagespläne oder daran dass Autisten keine Veränderungen mögen.

00:05:21: Bei mir fühlt sich das etwas anders an.

00:05:24: Ich brauche nicht unbedingt für jede Minute einen festen Plan, was ich aber brauche ist eine gewisse Vorhersehbarkeit.

00:05:35: Mein Kopf beschäftigt sich ständig damit, was passieren könnte!

00:05:54: Vieles vorbereitet bevor es überhaupt passiert.

00:05:57: Das merkt man zum Beispiel auf der Arbeit, wenn ich eine Tour fahre denke ich oft schon vorher darüber nach welche Probleme auftreten könnten.

00:06:10: Dadurch kann ich mit vielen Veränderungen umgehen.

00:06:15: trotzdem gibt es Situationen die für mich sehr schwierig sind.

00:06:20: ein gutes Beispiel ist das Ende meiner Schicht.

00:06:24: Wenn ich meine Tour beendet habe und zur Disbogee entsteht oft sofort ein Fluchtgefühl.

00:06:31: Das liegt nicht daran, dass dort etwas Schlimmes passiert.

00:06:35: Das Problem ist vielmehr das ich nicht weiß was mich erwartet.

00:06:42: Tut mir leid!

00:06:48: Was mich erwartet?

00:06:55: Kommt noch eine zusätzliche... Aufgabe zum Beispiel, also gibt es noch irgendein Anliegen.

00:07:00: Gibt es eine Beschwerde?

00:07:03: Ist irgendwo etwas schief gelaufen?

00:07:05: muss ich plötzlich etwas erklären oder spontan eine Entscheidung treffen?

00:07:11: Menschen sind für mich oft deutlich schwerer vorhersehbar wenn ich's nicht kenne als technische Probleme oder feste Abläufe.

00:07:23: Während ich viele Situationen im Kopf durchspielen kann, gibt es bei Gesprächen unzählige Möglichkeiten auf die ich mich nicht vorbereiten kann.

00:07:34: Genau diese Unsicherheit löst bei mir häufig Anspannung raus!

00:07:39: Ich merke dann oft dass ich die Situation möglichst schnell hinter mich bringen möchte.

00:07:53: Nicht weil ich unfreundlich sein will, sondern weil ja mein Kopf versucht aus einer Situation herauszukommen die er nicht vollständig einschätzen kann.

00:08:05: Dieses Gefühl begleitet mich auch in anderen Bereichen des Lebens.

00:08:10: Schwieriger wird es für mich außerdem wenn etwas wegfällt auf das sich mich vielleicht gefreut habe.

00:08:18: Dann geht es nicht nur um Ja eine Planänderung, in meinem Kopf war dieser Termin bereits eingeplant.

00:08:28: Ich habe mich darauf eingestellt und mich darauf vielleicht auch gefreut.

00:08:33: wenn er dann ausfällt muss ich nicht nur meinen Tagesablauf ändern sondern auch mit der Enttäuschung umgehen.

00:08:44: Strukturen helfen mir deshalb nicht nur dabei mein Alltag zu organisieren.

00:08:52: Sie geben mir Sicherheit.

00:08:54: Sie reduzieren die Anzahl der Dinge, über die ich gleichzeitig nachdenken muss.

00:09:00: Viele meiner Routinen sind inzwischen so selbstverständlich geworden dass ich sie kaum noch wahrnehme.

00:09:08: erst wenn etwas davon plötzlich anders läuft merke ich wie wichtig diese Struktur für mich eigentlich sind.

00:09:17: Für mich bedeutet feste Strukturen vor allem Orientierung, sie helfen mir dabei mit Unsicherheit umzugehen.

00:09:28: Energie zu sparen und Situation besser bewältigen zu können die sich sonst schnell überwältigend anfühlen würden.

00:09:38: Die Erfahrungen die ich gerade beschrieben habe sind natürlich meine persönlichen Erlebnisse.

00:09:46: nicht jeder Autist erlebt feste Strukturen auf die gleiche Weise.

00:09:51: Trotzdem gibt es einige Gemeinsamkeiten, die in Studien und in der Arbeit mit autistischen Menschen immer wieder beobachtet werden.

00:10:00: Viele Autisten brauchen feste Strukturen weil sie dabei helfen den Alltag überschaubar zu machen.

00:10:10: Die Welt ist voller Informationen Reize und Situationen die sich ständig verändern.

00:10:18: Während viele Menschen Veränderungen oft automatisch verarbeiten, kostet das vielen Autisten deutlich mehr Energie.

00:10:26: Dabei geht es nicht nur um große Veränderung.

00:10:30: schon kleine Dinge können anstrengend sein.

00:10:34: Ein anderer Arbeitsplatz ein geänderter Termin eine neue Aufgabe oder ein ungeplantes Gespräch können dafür sorgen, dass sich Menschen neu orientieren müssen.

00:10:52: Das Gehirn muss sich auf die neuen Situationen einstellen und passende Reaktionen finden.

00:11:02: Dieser Prozess läuft oft bewusst ab Deshalb, dass sie sich wohl aufhöhlen wenn Sie wissen was auf die Zukunft kommt.

00:11:28: Das bedeutet nicht das sie keine Veränderungen bewältigen können.

00:11:32: oft gelingt das sogar sehr gut.

00:11:35: entscheidend ist jedoch ob genügend Zeit vorhanden ist sich darauf vorzubereiten.

00:11:41: hinzu kommt dass soziale Situation häufig schwer behersehbar sind.

00:11:47: Menschen reagieren nicht immer gleich.

00:11:51: Gespräche können plötzlich eine andere Richtung nehmen, Erwartungen werden nicht ausgesprochen oder Situationen verändern sich ohne Vorwarnung.

00:12:01: Gerade diese Unvorhersehbarkeit kann für viele Autisten belastend sein.

00:12:10: Ein weiterer Punkt ist die sogenannte Unsicherheitstoleranz.

00:12:15: Damit ist die Fähigkeit gemeint mit Dingen umzugehen, die man nicht genau vorhersehen kann.

00:12:23: Untersuchungen zeigen das viele Autisten mit Unsicherheit stärker zu kämpfen haben als andere Menschen.

00:12:31: Deshalb versuchen viele sich durch Planung, Routine oder festen Ablauf Sicherheit zu schaffen.

00:12:39: Auch Entscheidungen spielen dabei eine Rolle Für andere Menschen.

00:12:46: eine Kleinigkeit ist, kann für Autisten viel Energie kosten.

00:12:52: Jede Entscheidung bedeutet verschiedene Möglichkeiten abzuwägen und mögliche Folgen zu bedenken.

00:13:02: Feste Routinen können diese Belastung verringern weil nicht jeden Tag alles neu entschieden werden muss.

00:13:13: Wichtig ist auch zu verstehen Das feste Strukturen nicht bedeuten, dass jemand stur oder unflexibel ist.

00:13:22: Viele Autisten können mit Veränderungen umgehen – oft brauchen sie dafür lediglich etwas mehr Zeit, Informationen oder die Möglichkeit sich gedanklich darauf einzustellen.

00:13:35: Strukture sind deshalb für viele Autisten kein Selbstzweck!

00:13:42: Sie sind ein Werkzeug, um mit einer oft unübersichtlichen und unvorhersehbaren Welt besser zurechtzukommen.

00:13:55: Sie schaffen Sicherheit, reduzieren Stress und helfen dabei die eigene Energie für die Dinge einzusetzen, die wirklich wichtig sind.

00:14:09: Ja damit sind wir auch schon am Ende mit diesem Thema!

00:14:12: Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, folge diesen Podcast damit du keine weitere Folge verpasst und danke dass du dir die Zeit genommen hast zuzuhören.

00:14:23: Dann bleibt nur noch zu sagen bleib neugierig, bleib tu selbst, bleibe einzigartig bis zum nächsten Mal!

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