Wahrnehmung F7: Warum Essen mehr ist als nur Geschmack
Shownotes
Geschmack entsteht durch mehrere Sinne gleichzeitig – Geruch beeinflusst Geschmack stärker als viele denken – Über- und Unterempfindlichkeit bei Reizen ist typisch bei Autismus – Konsistenz und Mundgefühl sind oft entscheidend – Gemischte oder wechselnde Reize können überfordern – Selektives Essverhalten ist wissenschaftlich belegt – Bekannte Lebensmittel geben Sicherheit und reduzieren Stress – Neue Lebensmittel können als unangenehm oder unsicher wahrgenommen werden – Unterschiede liegen in der Reizverarbeitung im Gehirn – Kein Zeichen von „Wählerisch sein“, sondern neurologisch erklärbar
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00:00:00: Hallo und willkommen bei Autismus Talk, dem Podcast der Verständnisschaft.
00:00:05: Ich bin Mike Blumenberg, Autor, Podcaster und Content Creator.
00:00:09: Hier spreche ich offen über Autismus, über echte Erfahrungen, Aufklärung und das Leben auf dem Spektrum mit dem Ziel mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen.
00:00:18: – schön dass du eingeschaltet hast und Teil dieser Reise bist!
00:00:22: Wir sind weiterhin im Wahrnehmungsbereich und heute geht es um ein Thema, das oft unterschätzt wird.
00:00:30: Aber im Alltag extrem viel ausmacht!
00:00:33: Es geht um Geschmack.
00:00:35: Dabei geht es nicht einfach nur darum dass jemand schmeckt oder nicht schmeckt sondern darum wie Essen überhaupt wahrgenommen wird.
00:00:47: Konsistenz, Intensität Geruch die Frage, ob etwas vorhersehbar ist spielen eine große Rolle.
00:00:58: Genau darum schauen wir uns jetzt an wie sich das bei mir zeigt.
00:01:05: Beim Thema Geschmack ist für mich ein ganz wichtiger Punkt dass ich genau wissen muss was mich erwartet.
00:01:15: es geht nicht nur darum sondern darum, wie es sich im Mund anfühlt und ob es konstant ist.
00:01:26: Sobald etwas unerwartet ist wird es schwierig.
00:01:30: ein großes Problem ist für mich dieser Wechsel zwischen hart und weich.
00:01:36: wenn ich etwas esse und plötzlich verändert sich die Konsistenz dann ist das direkt unangenehm.
00:01:43: Das habe Ich ganz stark bei Zwiebeln oder generell bei Stückchen egal in Marmelade, im Joghurt oder auch in der Suppe.
00:01:54: Wenn da zum Beispiel Schnittlauch oder kleine Stücke drin sind kann ich das nicht essen.
00:02:01: Das fühlt sich einfach falsch an!
00:02:04: Wenn etwas komplett püriert ist dann geht das also zb eine Kartoffelsuppe oder Kürbissuppe aber wirklich nur dann wenn sie komplett flüssig ist.
00:02:16: Sobald da wieder Stückchen sind sich die Konsistenz verändert, ist es für mich vorbei.
00:02:23: Das gleiche habe ich bei Getränken – Säfte mit Fruchtstücken kann ich gar nicht trinken!
00:02:29: Diese Mischung aus flüssig und dann plötzlich etwas festem ist für mich extrem unangenehm.
00:02:36: Ich brauche da eine klare, gleichbleibende Struktur.
00:02:41: Beim Geschmack ist es ähnlich.
00:02:44: Schärfe vertrag' ich überhaupt?
00:02:49: Dinge, die für andere normal sind wie eine Currywurst.
00:02:53: Sind für mich schon zu scharf.
00:02:55: Ich brauche dann direkt etwas wie Milch um das auszugleichen Weil Milch bindet die Schärfe und Dann geht es im Mund wieder.
00:03:06: ich mag Currywurst Das würde ich nicht abstreiten aber sie ist halt scharf und ich nehme nur ohne Curry.
00:03:13: Auf der anderen Seite habe ich das Problem dass mir manche Sachen zu last sind.
00:03:18: Ungesüster Tee zum Beispiel schmeckt mir nach nichts, deshalb süße ich den aktuellen Metronik.
00:03:27: Bei Gewürzen ist es ein bisschen widersprüchlich.
00:03:30: eigentlich darf es nicht zu stark sein aber manche ja.
00:03:36: manchmal wird sich selbst so viel zb mit Salz ohne es direkt zu merken.
00:03:42: das zeigt ganz gut dass es nicht einfach nur um zu viel oder zu wenig geht, sondern darum wie ich das wahrnehme.
00:03:52: Was für mich auch wichtig ist, ist die Kontrolle!
00:03:56: Wenn ich selbst etwas miche, ist es in Ordnung weil... Ich weiß was drin ist.
00:04:03: wenn ich aber nicht weiß was genau enthalten ist habe ich direkt ein Problem damit.
00:04:10: dieses Ungewisse macht es schwierig.
00:04:14: Geruch spielt da auch Mit einer Rolle.
00:04:17: Ich habe das ja schon in der anderen Folge gesagt, dass Gerüche bei mir sehr stark wirken und teilweise lange bleiben.
00:04:26: Das beeinflusst natürlich auch wie ich Essen wahrnehme.
00:04:31: Und was bei mir auch deutlich ist, ist diese Bindung an bestimmte Lebensmittel und Marken!
00:04:38: Ich habe Sachen die ich immer kaufe weil ich weiß wie sie schmecken und sich anfühlen.
00:04:45: Wenn sich da etwas verändert, merke ich das sofort und dann esse ich es auch nicht mehr.
00:04:52: Andere Marken kommen für mich von vornherein gar nicht in Frage.
00:04:57: Ich habe generell keine große Auswahl an Lebensmitteln – und es fällt mir extrem schwer neue Dinge auszuprobieren!
00:05:05: Das ist nicht einfach nur ein «Ich hab' keine Lust», sondern da sträubt sich wirklich alles in mir dagegen….
00:05:13: Wenn ich das zusammenfasse, geht es bei mir weniger um Geschmack im klassischen Sinne sondern viel mehr um Vorhersehbarkeit, Kontrolle und Konsistenz.
00:05:26: Und genau das ist der Punkt an dem man auch merkt dass dieses Thema mehr mit Wahrnehmung zu tun hat als mit Wählerich sein!
00:05:39: die fachliche Seite, weil das Ganze tatsächlich ziemlich gut erklärt ist und viele Autisten genau solche Erfahrungen machen.
00:05:47: Beim Geschmack geht es nicht nur um die Zunge sondern um ein Zusammenspiel mehrerer Sinne.
00:05:54: Neben den Grundgeschmeckern süß, sauer, salzig bitter und Umami spielen vor allem Geruch und ja der Tastsin im Mund eine große Rolle.
00:06:08: Ein großer Teil dessen, was wir als Geschmack wahrnehmen entsteht tatsächlich über den Geruch.
00:06:16: Ihr kennt mit Sicherheit dieses Wasser wo dieser Geruchstapp oben im Deckel drin ist.
00:06:22: Ihr trinkt ganz normales Wasser aber ihr riecht diesen Tapp und das Wasser schmeckt danach.
00:06:27: Ja und dazu kommt die sogenannte orale Sensorik also wie sich etwas im Mund anfühlt zum Beispiel weich hart Cremik oder Phaserik.
00:06:39: Bei Autismus zeigt die Forschung, dass diese sensorische Verarbeitung oft anders abläuft.
00:06:44: Viele autistische Menschen nehmen Reize entweder stärker.
00:06:49: Das wird als Über- oder Unterempfindlichkeit beschrieben.
00:06:53: Beim Geschmack kann das dazu führen, dass bestimmte Aromen wie Bitterstoffe oder Schärfe als deutlich intensiver erlebt werden während andere Dinge als zu schwach oder geschmacklos wahrgenommen werden.
00:07:08: Ein zentraler Punkt ist die sensorische Integration.
00:07:12: Das bedeutet, dass das Gehirn mehrere Sinneseindrucke gleichzeitig verarbeiten und zusammenführen muss.
00:07:20: Bei Essen betrifft das Geschmack, Geruch und das Mundgefühl gleichzeitig.
00:07:26: Studien zeigen, dass genau diese Verarbeitung bei Autismus oft weniger gefiltert oder anders gewichtet ist!
00:07:35: Dadurch können Kombinationen aus verschiedenen Reizen schneller überfordernd wirken, zum Beispiel bei stark gewürzten oder gemächten Lebensmitteln.
00:07:45: Auch die Konsistenz von Lebensmittellen ist ja wissenschaftlich relevant!
00:07:50: Viele autistische Menschen reagieren empfindlich auf bestimmte Texturen – egal auf schleimig-, stückig-oder wechselnde Konsistenzen.
00:08:01: Diese Reaktionen sind neurologisch erklärbar und hängen mit der Verarbeitung von Berührungsreizen im Mund zusammen.
00:08:11: Ein weiterer gut untersuchter Bereich ist das Essverhalten.
00:08:16: Autistische Menschen zeigen im Durchschnitt häufiger eine selektive Lebensmittelauswahl, das bedeutet dass nur bestimmte Lebensmittel gegessen werden – oft solche die bekannt und gleichbleibend sind!
00:08:31: Der Hintergrund ist die Vorhersehbarkeit.
00:08:33: Bekannte Reize lassen sich für das Gehirn leichter einordnen und verursachen halt weniger Stress, neue Lebensmittel stellen dagegen eine Herausforderung dar.
00:08:45: Diese sogenannte Neophobie ist bei Autismus oft stärker ausgeprägt.
00:08:51: Unbekannte Geschmäcker-, Gerüche oder Konsistenzen können nicht gut eingeschätzt werden und werden deshalb häufig vermieden.
00:09:00: Insgesamt zeigt die Forschung, dass Unterschiede bei Geschmack nicht isoliert entsteht sondern Teil einer veränderten Reizverarbeitung im Gehirn sind.
00:09:12: Es geht weniger um Vorlieben in klassischen Sinne, sondern darum wie intensiv und auf welche Weise Sinneseindrücke verarbeitet werden.
00:09:21: Ja das war das Thema für heute!
00:09:24: Wir sind jetzt eigentlich am Ende des Wahrnehmungsblock.
00:09:28: Ich werde nochmal gucken, ob ich vielleicht noch ein paar Bereiche dort finde.
00:09:33: Ansonsten werde ich jetzt gucken welchen Block wir als nächstes übernehmen.
00:09:38: was natürlich kommt werdet ihr dann nächste Woche Dienstag erfahren weil ich muss selber immer erst recherchieren und gucken was halt da noch rein passt.
00:09:46: deswegen kann ich euch schlecht vorher sagen manchmal ändere ich auch kurzfristig nochmal das Thema weil irgendwas wichtiges dazwischenkommt ist natürlich auch ein bisschen anstrengend, aber ich will natürlich immer aktuell bleiben und ja deswegen.
00:09:59: Und damit sind wir auch am Ende der heutigen Folge!
00:10:02: Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, folge diesen Podcast, damit du keine weitere Folge verpasst.
00:10:09: Danke dass du dir die Zeit genommen hast zuzuhören und bleib neugierig, bleib du selbst, bleibe einzigartig.
00:10:19: Schauen wir bei mir im Stream vorbei bei Twitch RealMike.com bis zum nächsten Mal!
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