Wahrnehmung F6: Warum Gerüche für manche extrem intensiv werden
Shownotes
Gerüche werden direkt im emotionalen Zentrum des Gehirns verarbeitet und lösen schnelle Reaktionen aus Bei Autismus ist die Filterfunktion für Sinnesreize oft verändert, wodurch Gerüche im Vordergrund bleiben Gerüche lassen sich schwer ausblenden und wirken oft dauerhaft präsent Die Bewertung von Gerüchen kann deutlich intensiver sein als bei nicht autistischen Menschen Unangenehme Gerüche können körperliche Reaktionen wie Übelkeit oder Stress auslösen Gerüche können im Kopf „nachwirken“, auch wenn sie nicht mehr vorhanden sind Mehrere Gerüche gleichzeitig erhöhen die Reizbelastung deutlich Gerüche können Konzentration, Verhalten und Nähe zu Menschen beeinflussen Stress und Überlastung verstärken die Wahrnehmung von Gerüchen zusätzlich Verständnis und angepasste Umgebungen helfen, die Belastung zu reduzieren
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00:00:00: Hallo und willkommen bei Autismus Talk, dem Podcast der Verständnisschaft.
00:00:05: Ich bin Mike Bloomberg, Autor, Podcaster und Content Creator – hier spreche ich offen über Autismus, echte Erfahrungen, Aufklärung und das Leben auf dem Spektrum mit dem Ziel mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen.
00:00:17: Schön dass du eingeschaltet hast und Teil dieser Reise bist!
00:00:20: Heute geht es im Wahrnehmungsblock um ein Thema, Oft nicht so in der Gesellschaft gesehen wird, aber im Alltag extrem viel ausmachen kann.
00:00:30: Gerüche!
00:00:31: Wie stark kann man sie wahrnehmen?
00:00:34: Wie lange Sie im Kopf bleiben und ja wie sehr Sie das eigene Verhalten beeinflussen können?
00:00:41: Also kommen wir mal zu meiner Wahrnehmung bei Gerüchen.
00:00:45: Für mich sind viele Gerüsche nicht einfach nur da sondern direkt präsent.
00:00:51: Ich nehme sie stark wahr und sie gehen auch nicht einfach wieder weg, ich mag eher neutrale Gerüche.
00:00:58: alles was irgendwie intensiv ist kann schnell unangenehm werden.
00:01:03: schon Kleinigkeiten wie ein Duftbaum im Auto können mich richtig triggern.
00:01:09: das ist für andere vielleicht nur ein leichter Geruch aber bei mir bleibt es im Kopf hängen.
00:01:17: Das sieht meine Aufmerksamkeit komplett auf sich.
00:01:22: Ganz extrem ist es bei Zigaretten, ich finde Raucher riechen unglaublich stark selbst wenn jemand versucht das zu überdecken.
00:01:33: Ich rieche dass sofort und das stört mich nicht nur ein bisschen sondern richtig.
00:01:39: gerade Bei einer Partnerin wäre das für mich ein klarer Ausschusskriterikum Ich auf Dauer einfach nicht aushalten.
00:01:49: Auf der Arbeit habe ich das auch oft, wenn ich in meinen LKW steige und vorher hat da jemand drin geraucht dann ist das für mich kaum auszuhalten.
00:01:59: dieser Geruch hängt überall und ich bekomme ihn nicht weg Und genau dann merke ich auch wie schwer es mir fällt mich zu konzentrieren!
00:02:10: Ich bin dann die ganze Zeit mit diesem Geruch beschäftigt.
00:02:14: Schweißgeruch ist für mich auch extrem unangenehm.
00:02:18: Das geht soweit, dass ich Nähe zu Menschen teilweise vermeide oder mich in bestimmten Situationen unwohl fühle – gerade in engen Räumen wie Bus- oder Bahn!
00:02:29: Ich merke dann richtig, wie mein Körper auf Abstand gehen will.
00:02:34: Was viele nicht verstehen?
00:02:35: Es geht nicht nur darum, das ich etwas nicht mag….
00:02:39: diese Gerüche verändern meine Stimmung.
00:02:42: Ich werde unruhiger, gereizter und kann mich auf nichts anderes mehr konzentrieren.
00:02:49: Mein Kopf bleibt an diesem Geruch hängen!
00:02:52: Und selbst wenn ich aus der Situation raus bin ist es nicht sofort vorbei.
00:02:57: Gerade bei starken Gerüchen wie Rauch oder Schweiß habe ich das Gefühl dass sie noch lange in meiner Nase bleiben als wären Sie immer noch da obwohl ich längst woanders bin.
00:03:12: selbst viele Gerüche.
00:03:13: Ich nutze kaum Parfüm und viele Duschgills, gerade die typisch für Männer finde ich viel zu extrem.
00:03:22: Die sind für mich eher unangenehm als frich.
00:03:27: Ich nehme lieber milde Sachen oft eher fruchtig so was wie Fürsicht von Dushters keine Schleichwerbung.
00:03:36: Es ist aber nicht alles negativ.
00:03:39: es gibt auch Gerüchen die ich sehr mag.
00:03:43: Frische Brötchen zum Beispiel oder Kuchen, das finde ich angenehm und ganz komisch eigentlich.
00:03:50: Ich mag den Geruch von Kaffeebohnen total Obwohl ich Kaffeeselbst überhaupt nicht mag.
00:03:56: Der Geruch wirkt auf mich eher beruhigend.
00:04:01: Was für mich besonders schwierig ist sind Michtgerüche Wenn mehrere Sachen gleichzeitig riechen, zum Beispiel Parfummschweiß und Essen in einem Raum.
00:04:13: Boah dann wird das schnell zu viel!
00:04:16: Das ist deutlich schlimmer als nur ein einzigen Geruch?
00:04:21: Ich habe lange gedacht ich bin einfach empfindlich oder stelle mich an aber mittlerweile weiß ich dass das Teil meiner Wahrnehmung ist.
00:04:31: mein Gehirn filtert Gerüche nicht so weg wie bei anderen.
00:04:35: Sie bleiben im Vordergrund und genau das macht sie so anstrengend.
00:04:42: Und genau da kommen wir jetzt zum nächsten Punkt, warum das überhaupt so ist und was im Gehirn dabei eigentlich passiert?
00:04:51: Gerüche werden im Geheir anders verarbeitet als viele andere Sinnes-Eindrücke.
00:04:59: den Weg ins emotionale Zentrum.
00:05:02: Das bedeutet, ein Geruch wird nicht erst lange durchgedacht sondern löst oft sofort eine Reaktion aus.
00:05:10: Gefühle wie Ekel Stress oder auch ja wohlbefinden können dadurch sehr schnell entstehen weil Gerüche es sind sehr stark mit Erfahrungen verbunden.
00:05:23: Man kennt das vielleicht.
00:05:25: Ihr riecht ein Weihnachtsduft aus eurer Kindheit und ihr denkt sofort an eure Kindheit.
00:05:30: Bei Autismus zeigt sich häufig eine veränderte sensorische Verarbeitung Das heißt Reize werden entweder stärker oder schwächer wahrgenommen Und vor allem anders gefiltert.
00:05:43: Genau dieser Filter ist entscheidend.
00:05:47: Im Alltag sortiert das Gehirn normalerweise ständig Reize aus.
00:05:53: unwichtige Dinge rücken in den Hintergrund.
00:05:56: Bei vielen autistischen Menschen funktioniert dieser Filter anders, ein Geruch bleibt dadurch im Vordergrund auch wenn er für andere kaum noch wahrnehmbar ist.
00:06:09: man das ja auch geruchsblindheit.
00:06:11: Das erklärt auch warum Gerüche sich so aufdrängen.
00:06:16: sie lassen sich nicht einfach ausblenden, während man bei Geräuschen vielleicht noch weghören kann.
00:06:25: Ist das bei Gerüchen deutlich schwieriger?
00:06:28: Sie sind dauerhaft präsent solange sie in der Umgebung sind und noch im Körper verarbeitet werden.
00:06:37: Ein weiterer Punkt ist die Intensität.
00:06:41: Studien zeigen, dass autistische Menschen Gerüche oft stärker oder anders bewerten.
00:06:46: Es geht dabei nicht nur darum ob jemand besser riechen kann sondern wie intensiv und wie unangenehm ein Geruch erlebt wird.
00:06:58: Ein Geruch der für andere neutral ist kann als extrem störend oder sogar belastend empfunden werden.
00:07:06: Hinzu kommt das Gerüche eng mit der Erinnerung und Körperreaktionen verbunden sind.
00:07:12: Das liegt daran, dass das Geruchssinn direkt mit Bereichen im Gehirn verknüpft ist.
00:07:19: Hierzu kommt, dass Gerüsche eng mit Erinnerungen- und Körpareaktionen verwenden sind.
00:07:34: für Emotionen zuständig sind.
00:07:37: Ein unangenehmer Geruch kann deshalb nicht nur stören, sondern körperliche Reaktionen auslösen.
00:07:45: Dazu gehören Übelkeit, Anspannung innere Unruhe oder ein starkes Bedürfnis die Situation zu verlassen – also Flucht!
00:07:54: Viele beschreiben auch dass das Gerüche länger hängen bleiben.
00:07:59: Das hat mit der Verarbeitung im Gehirn zu tun.
00:08:03: Der Reiz ist eigentlich schon weg, aber die Wahrnehmung läuft noch nach.
00:08:09: Dadurch entsteht das Gefühl der Geruch sei immer noch da!
00:08:13: Das kann besonders bei starken oder als unangenehm empfundenen Gerüchen sehr belastend sein.
00:08:20: Ein wichtiger Faktor ist auch die Reizmenge – ein einzelner Geruch kann schon schwierig sein.
00:08:27: Wenn mehrere Gerüche gleichzeitig auftreten wird es oft deutlich intensiver.
00:08:33: Das Gehirn muss mehrere Reize gleichzeitig verarbeiten, ohne sie gut filtern zu können.
00:08:40: Genau das kann zur Überforderung führen!
00:08:43: Diese Überforderungen zeigt sich nicht immer sofort sichtbar.
00:08:48: Häufig beginnt es mit innere Anspannung, Konzentrationsproblemen oder Greiztheit – wenn die Belastung anhält, kann daraus eine stärkere Reaktion entstehen zum Beispiel Rückzug oder ein sogenannter Meltdown.
00:09:05: Der Geruch ist dabei oft nicht die einzige Ursache, sondern der Punkt an dem das System kippt.
00:09:13: Wichtig ist auch zu verstehen dass diese Wahrnehmung nicht konstant ist.
00:09:18: Stress, Müdigkeit oder eine ohnehin hohe Reizbelastung können dazu führen, dass Gerüche noch intensiver wirken als sonst.
00:09:28: An einem ruhigen Tag kann etwas noch aushaltbar sein während es an einem vollen Tag kaum ertragbar ist.
00:09:37: Gerüche beeinflussen außerdem viele Bereiche im Alltag, sie können entscheiden ob ein Raum betreten wird, ob Nähe zum Menschen angenehm ist oder ob Essen möglich ist.
00:09:55: Gerade beim Essen spielt der Geruch eine große Rolle.
00:09:59: Wenn dieser als unangenehm empfunden wird, kann das dazu führen dass Lebensmittel gemieden werden.
00:10:06: Unabhängig vom eigentlichen Geschmack Im Umgang damit hilft vor allem Verständnis.
00:10:13: Es geht nicht darum ob ein Geruch objektiv stark ist sondern wie er individuell wahrgenommen wird.
00:10:21: Duftfrei oder geruchsarme umgebung Regelmäßiges Lüften und Rückzugsmöglichkeiten können die Belastung deutlich reduzieren.
00:10:32: Geruchsempfindlichkeit bei Autismus ist also keine Überteilung und keine Gewohnheitssache, sie ist ein Teil der Wahrnehmung und hängt direkt damit zusammen wie das Gehirn Reize verarbeitet, bewertet und weitergibt!
00:10:49: Damit sind wir auch am Ende dieser heutigen Folge.
00:10:53: Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, folge diesen Podcast damit du keine weitere Folge mehr verpasst.
00:10:58: Danke dass du dir Zeit genommen hast zuzuhören.
00:11:02: und was ich auch noch zum Schluss sagen möchte ist das die Podcast-Folge nicht mehr Montags kommt sondern ab sofort Dienstag zum achtzehn Uhr.
00:11:10: Das habt ihr jetzt bei dieser Folge hier auch schon gemerkt dass sie ein Tag später kommt.
00:11:15: das wird der neue Rhythmus bleiben.
00:11:17: Ihr könnt auch gerne auf Instagram folgen da werde ich das auch nochmal posten Und den Instagramer-Kont findet ihr unter AutismusTalk.
00:11:27: Podcast.
00:11:29: und wenn, jetzt habe ich gerade den Paden verloren.
00:11:33: Wenn man sich so viel konzentrieren musste um die Sachen auch zu merken ist es dann am Ende immer ein bisschen anstrengend aber... Ja, genau ich wollte noch sagen warum mich das mache.
00:11:44: Ich habe hier alle zwei Wochen meinen Sohn und da ist das große Problem dass ich halt wenn es Montag kommt... ...und ich hab's davor die Woche nicht geschafft.
00:11:53: dann habe ich nur noch ein kleines Fenster wo ich die Folge machen kann.
00:11:56: Und so kann ich mir noch den kompletten Montag Nachmittag und Abend dafür einteilen die Podcast-Folge noch nachträglich aufzunehmen.
00:12:03: deswegen wird sie ab sofort Dienstags um achtzehn Uhr kommen.
00:12:07: Gut!
00:12:08: Dann nochmal danke.
00:12:09: und wie immer bleibt neugierig Bleib du selbst, bleib einzigartig.
00:12:15: Bis zum nächsten Mal!
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