Wahrnehmung F4: Berührungen, die zu viel sind
Shownotes
In dieser Folge geht es um sensorische Besonderheiten bei Autismus, vor allem im Bereich Berührung und Körpergefühl.
Du erfährst – warum Berührungen unangenehm oder schmerzhaft sein können – welche Rolle Kleidung und Materialien im Alltag spielen – wie sich Überempfindlichkeit und Unterempfindlichkeit unterscheiden – warum Nähe stark von Vertrauen und Kontrolle abhängt – wie Temperatur wie Hitze und Kälte unterschiedlich wahrgenommen wird
Fachliche Grundlagen basieren unter anderem auf Forschung zu sensorischer Verarbeitung bei Autismus, wie sie in klinischen Leitlinien und Studien beschrieben wird, sowie Arbeiten von Temple Grandin und Simon Baron-Cohen.
Wenn du dich in der Folge wiedererkennst oder jemanden besser verstehen willst, teile sie gerne.
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00:00:00: Hallo und willkommen bei Autismus Talk, dem Podcast der Verständnisschaft.
00:00:04: Ich bin Mike Blumenberg, Autor, Podcaster und Content Creator.
00:00:08: Hier spreche ich offen über Autismus, über echte Erfahrungen, Aufklärung und das Leben auf dem Spektrum mit dem Ziel mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen.
00:00:19: Schön dass du eingeschaltet hast und Teil dieser Reise bist!
00:00:22: Also ich muss erst mal sagen, daß Dinge hier jetzt habe und ich hoffe, dass der Podcast trotzdem sich gut anhört.
00:00:31: Ich hab nämlich mit den ersten Spendeneinnahmen die ich schon über den Podcast und über die anderen Projekte gemacht habe mein Equip etwas verbessert.
00:00:40: das heißt ich habe jetzt ein nagelneues Mikrofon, ich habe einen Schuhr-Mikrofon.
00:00:44: Ich bin noch bei den Einstellungen dran und ich habe auch jetzt ein Interface, nämlich das Focus Read Scarlett IIiII auch für Interviews gut geeignet.
00:00:56: ein bisschen am experimentieren.
00:00:58: Ich hoffe, dass mir verzeiht wenn sich der Podcast vielleicht noch ein bisschen komisch anhört.
00:01:02: also ich arbeite daran die Qualität zu verbessern und ja ich würde sagen wir fangen an mit unserer heutigen Folge.
00:01:09: Wir sind immer noch jetzt im Block Wahrnehmung Und heute geht es um Reize auf der Haut Berührungen und da will ich auch nicht lange drum herum reden.
00:01:18: und fangen wir an weil berührungen sind für viele etwas ganz normales.
00:01:24: Für mich war es ja schon immer anders.
00:01:28: Ich mag es nicht einfach angefasst zu werden, auch Umarmungen sind nichts was sich automatisch gut anfühlt bei mir.
00:01:37: Wenn überhaupt dann gehe ich selbst auf die Person zu.
00:01:40: wenn jemand einfach so kommt und mich berührt fühlt sich das oft falsch an manchmal sogar richtig ekelig.
00:01:47: Das ist schwer in Worte zu fassen aber Es bleibt dann auch Nicht nur In diesem Moment Wenn ich zum Beispiel jemandem die Hand gebe, obwohl ich das eigentlich nicht wollte.
00:02:00: Dann habe ich dieses Gefühl noch lange danach.
00:02:02: Es ist als würde etwas an mir herhängen bleiben.
00:02:07: Ich fühle mich dann unwohl in meinem eigenen Körper.
00:02:10: Deswegen vermeide ich Berührungen so gut es geht Auch draußen wenn viele Menschen unterwegs sind.
00:02:17: Ich laufe nicht einfach los Sondern ich schaue genau wo ich lang gehe.
00:02:21: Ich achte auf Abstände, auf Bewegungen und auf Lücken.
00:02:25: Oft schaffe ich es wirklich durch Menschenmengen zu gehen ohne jemandem zu berühren.
00:02:32: Für andere wirkt das vielleicht unauffällig Aber für mich ist das Konzentration.
00:02:38: Was bei mir auch stark ist, ist ja diese Empfindlichkeit an bestimmten Stellen.
00:02:44: Wenn mich jemand leicht berührt Ist das erstmal nur eine Berührung.
00:02:50: aber wenn dass an der gleichen Stelle mehrmals passiert, so ein Reiben oder Streicheln dann wird es schnell unangenehm.
00:03:00: Es kann sogar anfangen wir zu tun obwohl es eigentlich nichts starkes ist.
00:03:05: das versteht man von außen oft nicht weil es ja nur eine leichte Berührung war.
00:03:12: Kleidung ist für mich Ja, auch ein großes Thema.
00:03:16: Enge Sachen gehen gar nicht!
00:03:18: Nähte können sich anfühlen wie Schleifpapier auf der Haut.
00:03:22: Diese kleinen Zettelchen im Nacken die viele einfach ignorieren können bei mir die Haut richtig reizen soweit dass es wund wird und wehtut.
00:03:33: das begleitet mich ja im ganzen Tag ohne dass man es von außen sieht.
00:03:38: Deswegen ist es für mich jedes mal ein richtiges gutes Gefühl, wenn ich nach Hause komme und einfach die Sachen ja in die Ecke werfen kann.
00:03:48: Ich ziehe dann direkt etwas Weites und Bequemes an.
00:03:52: In dem Moment fällt richtig Druck von mir ab!
00:03:55: Es fühlt sich an als könnte mein Körper endlich runterfahren... ...die ganze Spannung loslassen.
00:04:02: was bei mir auch auffällt ist dass mein Körper nicht überall gleich reagiert.
00:04:07: Es gibt Stellen, die extrem empfindlich sind und andere das spüre ich deutlich weniger.
00:04:14: Das ist kein gleichmäßiges Gefühl sondern total unterschiedlich Und das zeigt sich auch in Bereichen über die man nicht so oft spricht zum Beispiel im Intimbereich.
00:04:28: Da ist es bei mir eher so, dass ich weniger spüre.
00:04:31: Das kann sogar dazu führen, dass bestimmte Dinge die für andere normal sind bei mir kaum noch ankommen.
00:04:39: Gerade wenn noch etwas dazukommt was das Gefühl weiter dämpft, kann es sein, dass ich fast gar nichts mehr spüre und mein Körper dann auch entsprechend reagiert.
00:04:51: Was auch eine große Rolle spielt ist die Person selbst.
00:04:55: Je mehr ich jemanden mag der so eher kann ich Berührungen zulassen.
00:04:59: Aber selbst dann muss es für mich passen, Es ist nichts was automatisch funktioniert.
00:05:06: Ich entscheide das bewusst.
00:05:08: In einer Beziehung ist das deutlich einfacher weil Vertrauen da ist und Weil ich weiß dass was auf mich zukommt.
00:05:16: aber auch Da gibt es Grenzen!
00:05:27: Unwohl.
00:05:28: Meine persönliche Grenze ist größer als bei vielen anderen, ich brauche diesen Raum um mich herum damit es sich für mich okay anfühlt.
00:05:39: und dann gibt es noch ein Thema das für mich lange schwer einzuordnen war weil es auf den ersten Blick gar nicht direkt dazu gehört.
00:05:50: Temperatur Hitze und Kälte fühlen sich für mich nicht einfach nur warm oder kalt an.
00:05:56: Sonne zum Beispiel kann sich auf meiner Haut anfühlen, als würde sie brennen wie Feuer.
00:06:02: Gleichzeitig habe ich mit Hitze an sich oft weniger Probleme.
00:06:07: Bei Kälten ist es noch extremer.
00:06:10: Kalte Luft geht meist klar aber wenn etwas kaltes direkt meine Haut berührt kalte Hände, kalte Füße Dann ist das ein richtig stechender Schmerz.
00:06:22: und selbst wenn diese Berührung nur kurz war, bleibt dieses Gefühl noch eine Zeit lang.
00:06:28: Wenn man das alles zusammennimmt merkt man dass es nicht einfach nur darum geht.
00:06:33: ob man Berührungen mag oder nicht der Körper reagiert ganz anders Und genau das ist der Punkt den viele nicht sehen.
00:06:41: Es geht nicht um Ablehnung sondern darum wie sich die Reize überhaupt anfühlen Und genau da wird es spannend.
00:06:49: Was passiert eigentlich im Körper, dass Berührungen so unterschiedlich wahrgenommen werden können?
00:06:55: und warum ist das bei autistischen Menschen oft so ausgeprägt?
00:07:00: Wenn man sich das ganze fachlich anschaut geht es im Kern um die sogenannte sensorische Verarbeitung.
00:07:08: der Körper nimmt ständig Reize über die Haut auf Druck Temperatur Berührung Schmerz.
00:07:15: Diese Signale werden über das Nervensystem an das Gehirn weitergeleitet und dort eingeordnet.
00:07:21: Bei vielen autistischen Menschen läuft genau dieser Prozess anders!
00:07:25: Ein wichtiger Punkt ist, dass Reize oft weniger gefiltert werden.
00:07:29: Das Gehirn bekommt also mehr Informationen gleichzeitig und bewertet sie schneller als intensiv oder störend!
00:07:38: Das ist kein Gefühl das man einfach wegdenken kann sondern eine andere Art der Verarbeitung im Nervensystem.
00:07:46: Studien zeigen, dass Menschen im Autismus-Spektrum deutlich häufiger Auffälligkeiten in der taktilen Wahrnehmung haben.
00:07:54: Das betrifft sowohl Überempfindlichkeit als auch Unterempfindigkeit.
00:07:59: Beschrieben wird das unter anderem in der Forschung zu sensorischen Besonderheiten bei Autismus – zum Beispiel von Tempelgrandien und klinischen Übersichten die sich mit sensorischer Verarbeitung beschäftigen.
00:08:15: Bei einer Überempfindlichkeit reicht oft schon ein leichter Reiz aus, um als unangenehm oder sogar schmerzhaft wahrgenommen zu werden.
00:08:25: Das liegt daran dass das Nervensystem diese Signale stärker gewichtet.
00:08:31: Wiederholte Berührungen an der gleichen Stelle können sich dadurch steigern oder irgendwann als Schmerz ankommen, obwohl sie objektiv nicht stark sind.
00:08:41: Genau dieses Phänomen wird auch in der Schmerzworschung beschrieben.
00:08:46: Das Nervensystem kann auf wiederholte Reize sensibler reagieren.
00:08:51: Man spricht hier von einer Art Verstärkung der Wahrnehmung.
00:08:55: Auf der anderen Seite gibt es auch Unterempfindlichkeit.
00:08:58: Dabei werden Reize schwächer wahrgenommen.
00:09:00: Das kann dazu führen, dass Druck oder Berührungen kaum gespürt werden.
00:09:05: Oder das stärkere Reize gebraucht werden um überhaupt etwas zu fühlen.
00:09:11: Auch das ist im Autismus-Spektrum gut dokumentiert.
00:09:14: Es zeigt, dass das System nicht einfach zu empfindlich ist sondern unterschiedlich arbeitet je nach Bereich.
00:09:22: Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass diese Wahrnehmung nicht gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt ist.
00:09:29: Studien zur Körperwahrnehmungen zeigen Dass es bei autistischen Menschen häufiger Unterschiede zwischen einzelnen Körperregionen gibt.
00:09:38: Das bedeutet, dass eine Stelle sehr empfindlich reagieren kann während einer andere deutlich weniger wahrnimmt.
00:09:46: Das passt zudem was viele Betroffene beschreiben.
00:09:49: auch Kleidung spielt dabei eine große Rolle.
00:09:52: Die Haut ist dauerhaft mit Reizen beschäftigt.
00:09:56: Wenn Stoffe reiben, drücken oder kratzen – wenn das Nervensystem diese Reize stärker verarbeitet entsteht ein Dauerstress!
00:10:06: Genau deshalb berichten viele Betroffene dass bestimmte Materialien und Nähte kaum auszuhalten sind.
00:10:13: Das ist kein sich anstellen sondern eine reale körperliche Belastung.
00:10:19: Beim Thema Nähe kommt noch etwas dazu.
00:10:21: Berührung ist nicht nur ein... körperlicher Reiz, sondern auch ein sozialer.
00:10:27: Das Gehirn muss also gleichzeitig einordnen wer da berührt warum und ob das gerade passt.
00:10:35: wenn die sensorische Verarbeitung schon viel Energie kostet kann zusätzliche soziale Unsicherheit den Stress verstärken.
00:10:44: deswegen wird Berührung oft dann besser toleriert Wenn sie ja vorhersehbar ist oder von einer vertrauten Person kommt.
00:10:53: Das wird auch in Studien zur sozialen Verarbeitung bei Autismus beschrieben, unter anderem in Arbeiten von Simon Baron Cohen.
00:11:06: Beim Thema Sexualität wird das Ganze selten offen angesprochen ist aber ebenfalls Teil dieser sensorischen Verarbeitung.
00:11:16: Es gibt Untersuchungen und Berichte, die zeigen dass autistische Menschen im Intimbereich sowohl über- als auch unterempfindlich sein können.
00:11:26: eine geringere Wahrnehmung kann dazu führen das Reize weniger intensiv ankommen und zusätzliche Dämpfung zum Beispiel durch Verhütung weiter reduziert.
00:11:39: Das ist kein ungewöhnlicher Einzelfall, sondern lässt sich aus der allgemeinen Funktionsweise der sensorischen Verarbeitung erklären.
00:11:48: Auch Temperaturen gehören zu diesem System.
00:11:50: Wärme, Kälte und Schmerz werden über spezielle Rezeptoren in der Haut wahrgenommen.
00:11:56: Bei autistischen Menschen kann die Reaktion darauf verstärkt oder verändert sein.
00:12:03: Studien zeigen, dass es sowohl eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit als auch eine veränderte Wahrnehmung von Temperaturen geben kann.
00:12:11: Dabei ist wichtig zu verstehen, verschiedene Arten von Reizen unterschiedlich verarbeitet.
00:12:19: Kälte, also kalte Luft ist etwas anderes als ein kalter Gegenstand auf der Haut.
00:12:25: Sonnenstrahlung wirkt anders als warme Umgebungsluft.
00:12:30: Genau deshalb können diese Unterschiede entstehen die auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt.
00:12:37: Da geht es um, lass mich kurz überlegen, Thermorezeptoren in der Haut.
00:12:43: Ein Punkt, der oft unterschätzt wird ist die Nachwirkung.
00:12:47: auch dazu gibt es Erkenntnisse aus der Neuroforschung.
00:12:51: Reize können im Nervensystem nachhallen.
00:12:55: das bedeutet dass das Gefühl nicht sofort verschwindet sondern noch eine Zeit lang bestehen bleibt.
00:13:02: Das erklärt warum eine kurze Berührung oder ein kurzer, kälte Reiz noch lange unangenehm spürbar sein kann.
00:13:11: Wenn man das alles zusammennimmt wird klar dass es nicht um persönliche Vorlieben geht.
00:13:18: Es geht um ein Nervensystem Das Reize anders verarbeitet stärker gewichtet oder anders verteilt wahrnimmt.
00:13:27: Genau das beeinflusst dann Verhalten, Nähe, Kleidung und viele Situationen im Alltag.
00:13:34: Ich hoffe ich konnte euch mit dieser Folge so ein bisschen den Einblick daran geben.
00:13:40: Wir haben jetzt auch ein bisschen Intimität mit drin gehabt.
00:13:43: Für manche könnte das vielleicht ein bisschen unangenehm sein, aber ich denke einfach dass man mit diesem Thema einfach offen auch umgehen muss weil es gehört halt dazu.
00:13:51: und ja wenn man als Autist mit einer Unterempfindlichkeit im Intinbereich lebt und ja mit Verhütung ein Problem hat.
00:14:01: Es sind so viele Menschen da draußen die sich ausreden, ausdenken.
00:14:05: ihr wisst was ich meine Aber Es gibt halt auch diese Menschen, besonders im Spektrum die dieses Problem wirklich haben und deswegen verurteilt nichts jeden Autisten der damit ankommt.
00:14:19: Ja, damit sind wir auch am Ende der heutigen Folge!
00:14:22: Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, folge diesen Podcast damit du keine weitere Folge mehr verpasst.
00:14:29: Wie gesagt wir sind jetzt noch im Blog.
00:14:30: Wahrnehmung es kommen auch ganz viele andere Blöcke, Blocking Masking und so weiter.
00:14:36: also ich habe da eine Riesen Struktur.
00:14:37: damit werden wir jetzt ein Jahr lang zu tun haben mit den ganzen Blöcken und ich denke mir einfach das ist für euch einfacher.
00:14:44: wenn ich jede einzelne Bereich wirklich mal darstelle den ich so mir zusammengesucht habe.
00:14:53: Ja, dann danke dass du dir die Zeit genommen hast und zugehört hast.
00:14:57: Und dann bleibt noch zu sagen bleib neugierig, bleib du selbst, bleibe einzigartig!
00:15:03: Bis dann!
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