Wahrnehmung F3: Wenn Licht zu viel wird
Shownotes
In dieser Folge spreche ich über ein Thema, das viele unterschätzen: visuelle Reizüberflutung.
Ich erzähle aus meiner eigenen Perspektive, wie stark Licht, Bewegung und viele Eindrücke gleichzeitig auf mich wirken können. Vom Einkaufen bis hin zum Restaurantbesuch. Dinge, die für andere normal sind, können schnell zur Belastung werden.
Im zweiten Teil erkläre ich, was wissenschaftlich dahinter steckt. Wie das Gehirn Reize filtert, warum dieser Filter bei Autismus anders arbeitet und welche Rolle ADHS dabei spielt.
Diese Folge soll helfen zu verstehen, dass es nicht um fehlendes Interesse oder Unkonzentriertheit geht, sondern um eine andere Art, die Welt wahrzunehmen.
Wenn du dich darin wiedererkennst oder jemanden kennst, auf den das zutrifft, kann diese Folge helfen, vieles besser einzuordnen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Autismus Talk, dem Podcast der Verständenschaft.
00:00:06: Ich bin Mike Blumenberg, Auto-Podcaster und Content Creator sowie Live Coach.
00:00:11: Hier spreche ich offen über Autismus, echte Erfahrungen, Aufklärung und das Leben auf dem Spektrum mit dem Ziel mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen.
00:00:21: Schön dass du eingeschaltet hast und Teil dieser Reise bist!
00:00:25: Manchmal sind es gar nicht die großen Dinge, die mich überfordern... Manchmal reicht einfach Licht.
00:00:33: Gerade diese Neonröhren, wie man sie in Einkaufszentren oder Supermärkte hat.
00:00:39: für viele ist das einfach nur hell.
00:00:42: Für mich ist es anstrengend.
00:00:44: Ich merke richtig wie mein Kopf mit der Zeit voller wird obwohl eigentlich nichts besonderes passiert.
00:00:51: Im Straßenverkehr wird es noch deutlicher wenn mir Autos entgegen kommen vor allem mit diesem hellen Ja, sehr hellen blauen Licht.
00:01:01: Dann ist das nicht einfach nur unangenehm.
00:01:04: Das ist eine richtige Belastung.
00:01:06: Wenn jemand fernlicht an hat oder nicht abblendet Ist es noch extremer.
00:01:12: In solchen Momenten merke ich wie schnell mein System an seine Grenzen kommt Und das sind keine Ausnahmen.
00:01:19: Das passiert ständig.
00:01:21: Was bei mir zusätzlich eine große Rolle spielt ist Bewegung.
00:01:26: Wenn ich zum Beispiel in einem Restaurant sitze, dann sehe ich nicht nur die Person vor mir.
00:01:33: Ich sehe alles!
00:01:34: Jemand steht auf ein Kellner läuft vorbei am Nebentisch bewegt sich jemand und mein Blick geht automatisch dahin.
00:01:42: Ich entscheide nicht bewusst das es passiert sondern ist passiert einfach.
00:01:47: Das Problem ist dass ich dadurch ständig abgelenkt bin auch wenn ich eigentlich zuhören will.
00:01:54: Also ich höre auch zu.
00:01:55: Aber es wirkt halt so ein bisschen, weil mein Fokus immer wieder weggezogen wird und dazu kommt noch das Geräusche, das Ganze verstärken.
00:02:04: Sobald irgendwo ein Geräusch ist geht meinen Blick automatisch in diese Richtung.
00:02:09: Das heißt Ich bin die ganze Zeit dabei meine Aufmerksamkeit neu auszurichten, als wäre ich in einer Alarmbereitschaft.
00:02:20: oft mehr von den anderen Menschen im Raum als von meinem Gegenüber.
00:02:25: Und das wirkt von außen schnell so, als hätte ich kein Interesse oder es langweilt mich.
00:02:31: Aber genau das Gegenteil ist der Fall!
00:02:32: Ich will zuhören – ich bin interessiert, ich bin da aber mein Kopf lässt mich nicht einfach nur bei einer Sache bleiben.
00:02:40: Ich habe mir deshalb Strategien aufgebaut um damit besser klarzukommen.
00:02:45: Ich hab zum Beispiel spezielle Brillen die die Reize etwas reduzieren.
00:02:50: Die helfen mir tatsächlich, das ganze ein Stück runterzufahren.
00:02:55: Aber sie sind auch nicht günstig mit zweihundert Euro pro Stück.
00:02:58: Sonnenbrüllen nutze ich auch öfters wenn es mir zu viel wird Auch wenn ich einen Raum verlasse oder was sagt nach draußen gehe.
00:03:06: die Helligkeit ist für mich sehr überfordernd.
00:03:09: Ich werde so schnell dadurch geblendet Im Restaurant versuche mir bewusst einen Platz zu suchen, wo ich weniger sehen muss.
00:03:18: Also eher so dass ich nicht mitten in den Raum gucke oder im mitten im Raum sitze sondern etwas ruhiger.
00:03:25: das klappt nicht immer aber wenn es klappt macht ist ein großen unterschied.
00:03:30: trotzdem habe ich das gefühl dass eine sehr ja da sich einen sehr weiten blick habe also einen weiten Blickwinkel.
00:03:38: Ich nehme auch Dinge wahr, die eher am Rande passieren.
00:03:41: Also nicht nur das worauf ich direkt schaue sondern auch das was daneben passiert und das hört nicht einfach auf.
00:03:49: Auch bei meinen Geräten habe ich einiges angepasst.
00:03:52: Blaufilter ist bei mir überall aktiv Handy Bildschirm einfach alles.
00:03:57: Das nimmt zumindest ein bisschen Druck raus Und ich plane mein Alltag mittlerweile anders.
00:04:03: Wenn ich weiß dass etwas anstrengend wird lege ich es eher den Freitagabend, einfach weil ich dann das Wochenende habe um mich wieder zu erholen.
00:04:13: Das ist nichts was ich einfach so mache – das ist notwendig!
00:04:17: Was auch immer wieder merke, ich nehme sehr viel kleine Details zwar Bewegungen Veränderungen Dinge die andere oft gar nicht bewusst sehen.
00:04:27: Das kann manchmal hilfreich sein.
00:04:29: Aber im Alltag ist es meistens einfach nur viel, zuviel und genau das ist der Punkt den viele nicht sehen.
00:04:35: von außen wirkt es vielleicht so als wäre ich unkonzentriert oder nicht richtig dabei aber in Wirklichkeit passiert in meinem Kopf einfach deutlich mehr gleichzeitig Und genau da wird es spannend warum das so ist und was im Gehirn dabei eigentlich passiert.
00:04:54: Darüber sprechen wir jetzt als nächstes.
00:04:58: Wenn man sich anschaut, warum Lichtbewegung und viele visuelle Eindrücke so anstrengend sein können dann landet man relativ schnell bei einem zentralen Punkt der Reizverarbeitung im Gehirn.
00:05:10: Bei Autismus gehört das offiziell zu den diagnostischen Merkmalen.
00:05:14: Das bedeutet, es ist kein Nebenthema sondern ein Kernbereich.
00:05:18: beschrieben wird dass Sinnesreize anders verarbeitet werden.
00:05:22: dazu gehört auch das Sehen.
00:05:23: Ein wichtiger Unterschied ist die Filterung.
00:05:26: Das Gehirn filtert normalerweise ständig Informationen.
00:05:31: Es entscheidet was wichtig ist und was nicht.
00:05:33: Dinge im Hintergrund werden ausgeblendet damit man sich auf eine Sache konzentrieren kann.
00:05:40: Bei Autismus funktioniert genau dieser Filter oft anders, das heißt nicht dass man einfach mehr sieht sondern dass weniger ausgeblendet wird.
00:05:49: Viele Reize bleiben gleichzeitig aktiv.
00:05:52: Das erklärt auch, warum Bewegung so stark ins Gewicht fällt.
00:05:56: Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, Bewegungen als wichtig einzustufen – das ist ein Schutzmechanismus!
00:06:03: Wenn dieser Mechanismus nicht gut reguliert wird, zieht jede Bewegung Aufmerksamkeit und genau das kostet Energie.
00:06:10: Beim Thema Licht gibt es ebenfalls klare Erkenntnisse.
00:06:14: Viele Menschen im Autismusspektrum reagieren empfindlicher auf bestimmte Lichtarten vor allem auf künstliches Licht.
00:06:22: Dazu gehört zum Beispiel neonröhren, bestimmte LED-Lichter flackende Lichtquellen.
00:06:28: Ein Problem dabei ist das viele dieser Lichtqueln nicht konstant sind – sie flackern in sehr schnellen Frequenzen!
00:06:37: Die meisten Menschen nehmen das nicht bewusst wahr ein Teil der Betroffenen aber schon oder reagieren zumindestens darauf.
00:06:44: Das kann dazu führen, dass das Gehirn dauerhaft zusätzliche Reize verarbeiten muss.
00:06:49: Typische Folgen sind schnelle Erschöpfung, Konzentrationsprobleme innere Unruhe oder auch körperliche Reaktionen wie Kopfschmerzen.
00:06:58: Ein wichtiger Punkt ist die Verarbeitung von Details.
00:07:02: Studien zeigen, dass Menschen im Autismus Spektrum oft stärker auf Einzelheiten achten.
00:07:08: Kleine Veränderungen oder Bewegungen werden schneller wahrgenommen.
00:07:13: Das kann hilfreich sein Im Alltag führt es aber oft dazu, das Gesamtbild schwerer zu fokussieren.
00:07:19: bleibt Man sieht vieles gleichzeitig Aber es wird schwer bei einer Sache zu bleiben.
00:07:24: Bei ADHS kommt noch ein Punkt dazu.
00:07:27: Hier geht es vor allem um die Steuerung der Aufmerksamkeit.
00:07:31: Die Aufmerksamkeit wird schnell von außen angezogen, v.a.
00:07:35: durch visuelle Reize wie Bewegungen oder Licht.
00:07:38: Das bedeutet – Der Blick springt häufiger, die Konzentration wird öfters unterbrochen und der Wechsel passiert schneller.
00:07:45: Auch das kostet Energie.
00:07:47: Wenn beides zusammenkommt verstärkt sich das oft.
00:07:49: Viele Reize kommen gleichzeitig rein und die Aufmerksamkeit springt zusätzlich zwischen ihnen hin und her.
00:07:55: Das führt dazu, dass das Gehirn dauerhaft sehr viel verarbeiten muss – genau das ist der Punkt!
00:08:02: Denn viele unterschätzen diese Verarbeitung kostet Kraft.
00:08:05: Was dabei wichtig ist?
00:08:07: Das ist keine Frage von Disziplin oder auch kein Zeichen von Schwäche.
00:08:12: Das Gehirnen arbeitet in diesem Moment einfach anders….
00:08:15: Wenn man das versteht, ergibt auch vieles aus dem Alltag plötzlich Sinn.
00:08:20: Warum Licht so anstrengend ist?
00:08:22: Warum Bewegungen sofort ablenken?
00:08:24: Warum es schwer ist den Fokus zu halten und warum man nach solchen Situationen oft so erschöpft ist?
00:08:31: Und genau darum geht es am Ende!
00:08:33: nicht darum, ob etwas zu viel ist im Vergleich zu anderen sondern darum dass es für einen selbst soviel sein kann und das es dafür einen klaren erklärbaren Grund gibt.
00:08:45: Damit sind wir auch schon am Ende der heutigen Folge.
00:08:47: Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, folge diesen Podcast damit du keine weitere Folge mehr verpasst und schau bitte auch in meinen neuen Podcast herein.
00:08:56: Kopfsalat und Klartext.
00:08:58: Da geht es nicht um Autismus sondern um allgemeine Diskussionen.
00:09:01: Ja ich finde den super ist auch ein Dialog.
00:09:04: also Es ist nicht da dass ich dann nur alleine rede Sondern Ich habe momentan sehr oft Luna dabei aber es wird in Zukunft auch noch andere Sprecherinnen dazu kommen.
00:09:12: Ja, dann danke ich dir das du dir die Zeit genommen hast zuzuhören und dann bleibt nur noch zu sagen bleib neugierig.
00:09:19: Bleib du selbst!
00:09:20: Bleib einzigartig.
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