Warum Ehrlichkeit wird bestraft
Shownotes
Shownotes zur Folge: Ehrlichkeit wird bestraft
In dieser Episode geht es um ein Thema, das viele bewegt und gleichzeitig polarisiert: Ehrlichkeit.
Warum wird Direktheit oft negativ bewertet? Warum gelten klare Worte schnell als kalt oder hart? Und warum scheint Offenheit nur so lange akzeptiert zu sein, wie sie angenehm bleibt?
Inhalt der Folge:
– Persönliche Erfahrungen mit Ablehnung, Ghosting und moralischen Bewertungen aufgrund direkter Kommunikation – Unterschiedliche Kommunikationsstile bei Autismus – Warum direkte Sprache häufig falsch gedeutet wird – Das Double Empathy Problem und gegenseitige Missverständnisse – Masking und Camouflaging: Anpassung als Schutzstrategie – Warum soziale Anpassung enorme Energie kostet – Zusammenhang zwischen chronischem Anpassungsdruck und autistischem Burnout
Wissenschaftliche Hintergründe basieren unter anderem auf:
– Arbeiten zum Double Empathy Problem – Forschung zu Camouflaging und Masking bei Autismus – Studien zu ersten sozialen Eindrücken bei autistischen Personen – Definitionen und Beschreibungen von autistischem Burnout
Diese Folge richtet sich an Betroffene, Angehörige und alle, die verstehen möchten, warum Ehrlichkeit nicht für alle gleich klingt – und warum unterschiedliche Kommunikationsstile oft vorschnell moralisch bewertet werden.
Teile die Folge gern und hinterlasse deine Gedanken: Wurdest du schon einmal für deine Ehrlichkeit kritisiert oder missverstanden?
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen bei Autismustalk, dem Podcast der Verständenschaft.
00:00:05: Ich bin Mike Blumenberg, Auto-Podcaster & Content Creator.
00:00:10: Hier spreche ich offen über Autismus, echte Erfahrungen, Aufklärung und das Leben auf dem Spektrum mit dem Ziel mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen.
00:00:21: Schön dass du eingeschaltet hast und Teil dieser Reise bist!
00:00:24: Dieser Podcast ist produziert von Blumenberg Produktion.
00:00:27: Ich möchte heute ein spezielles Thema nämlich Ehrlichkeit ansprechen.
00:00:32: Aber bevor wir damit anfangen, möchte ich gerne auf mein neues Projekt hinweisen weil ich möchte gern meinen Podcast Erfahrungen erweitern.
00:00:42: Ich möchte gern einen Podcast machen für alle.
00:00:45: Ein Nischenpodcast der nur spezielle Menschen die sich zum Beispiel für Autismus interessieren sondern es wird ein Podcast sein offen ist, über alle Themen werden gesprochen.
00:00:56: Es geht da nicht um Autismus, es geht da um Gesellschaft, um Struktur, um Neuigkeiten aus Fernseh oder Social Media – es soll alles empfassen!
00:01:08: Ich bin dann momentan auch ja an einem Casting dran wo ich eine Kursprecherin suche das heißt es wird nicht mehr ein Monolog sondern es soll ein Dialog Und ich hoffe, dass viele von euch gerne bereit sind mit reinzuspringen.
00:01:21: Denn also ich hoffe es wird ein sehr guter Start!
00:01:26: Ich habe sehr viel Arbeit jetzt die letzten Tage da reingesteckt und ihr findet den Podcast dann unter dem Namen Kopfsalat und Klartext.
00:01:35: Wollen wir mal auf das heutige Thema?
00:01:37: Ich möchte heute über Ehrlichkeit sprechen und darüber warum sie sich manchmal wie eine Strafe anfühlt.
00:01:44: Ich bin ein Mensch, der sehr klar spricht.
00:01:47: Wenn ich etwas denke, dann sage ich es!
00:01:49: Wenn ich was fühle, dann spreche ich es aus.
00:01:52: Ich kann nicht gut um Dinge herumreden... ...ich kann nicht so tun als wäre etwas nicht da wenn es offensichtlich im Raum steht.
00:02:02: Für mich ist Ehrlichkeit etwas Respektvolles.
00:02:06: Es bedeutet dass ich meine mein gegenüber ernst nehme.
00:02:10: Aber genau diese Ehrlichkeit hat mir im Leben oft Probleme gemacht.
00:02:16: Viele Menschen sagen, sie wollen Ehrlichkeit, Sie wollen Offenheit!
00:02:19: Sie wollen jemandem der direkt ist, der sagt was er denkt… Der Authentischist!
00:02:25: Gerade im Dating hört man das ständig.
00:02:29: Sei einfach du selbst!
00:02:31: Sag ehrlich, was Du willst.
00:02:33: – ich mag klare Menschen Ich mag Ehrlichkeit, aber wenn es dann wirklich so ist wird es plötzlich schwierig.
00:02:54: Wenn ich früh sage, was ich suche.
00:02:58: Wenn ich klar benenne, was für mich nicht funktioniert.
00:03:02: Wenn Ich etwas anspreche dass zwischen uns unausgesprochen im Raum steht dann wird das nicht als Stärke gesehen sondern als Problem.
00:03:11: Dann bin ich der der zu hart ist, der zu direkt ist Der es kaputt macht und ich habe mich langsam gefragt warum das so ist.
00:03:21: Warum verlangen Menschen Ehrlichkeit, aber halten sie nicht aus?
00:03:25: Ich glaube viele wollen Ehrlichheit.
00:03:29: Aber nur in einem bestimmten Rahmen!
00:03:31: Nur so viel Ehrlichkeit wie sich gut anfühlt.
00:03:35: Nur so lange wie sie das eigene Bild nicht stört.
00:03:40: Nur solange wie sie kontrollierbar bleibt.
00:03:43: Sobald Ehrlichkeiten unbequem wird, wird sie plötzlich negativ bewertet.
00:03:49: Dann ist man nicht mehr ehrlich, sondern kalt.
00:03:53: Nicht mehr klar, sondern hart!
00:03:55: Nicht mehr authentisch, sondern schwierig.
00:03:57: und genau das fühlt sich unfern.
00:04:00: Denn ich spiele keine Spielchen.
00:04:01: Ich halte niemanden warm.
00:04:03: Ich sage nicht Dinge die ich nicht meine.
00:04:06: wenn ich Interesse habe dann zeige es.
00:04:10: Wenn etwas für mich nicht passt, dann spreche ich es aus.
00:04:14: Für mich ist das Erwachsen aber viele Menschen brauchen eine längere Annäherung.
00:04:20: Sie brauchen Zeit, um sich sicher zu fühlen und wenn ich diese Sicherheit nicht erst langsam aufbaue sondern direkt offen rede dann wirkt das für sie vielleicht überfordernd.
00:04:32: Das Problem ist nur statt zu sagen dass geht mir so schnell wird oft mein Charakter bewertet.
00:04:40: Ich bin dann nicht jemand mit einer anderen Kommunikationsart Und man darf gar nicht erst sagen, dass man autistisch ist.
00:04:49: Also dann ist man sowieso direkt raus und da entsteht dieses Gefühl von Bestrafung!
00:04:55: Nicht weil ich lüge, nicht weil ich verletzen will sondern weil ich ehrlich bin.
00:05:00: Ich glaube das steckt auch viel Scheinheiligkeit drin.
00:05:05: Das klingt hart aber so fühlt es sich manchmal an.
00:05:08: Ehrlichkeit wird gefeiert Solang sie angenehm ist solang sie schmeichelt solang Sie fordert.
00:05:16: Aber wenn Ehrlichkeit klare Grenzen setzt oder klare Erwartungen ausspricht, dann ist sie unbequem und un bequeme Menschen werden schnell zum Problem erklärt!
00:05:27: Ich habe oft versucht mich anzupassen weicher zu reden mehr Smalltalk zu machen Dinge nicht sofort anzusprechen aber das fühlt sich für Echt an.
00:05:41: Es kostet Energie und irgendwann merkt man, dass man sich verbiegt nur um nicht als kalt da zu stehen.
00:05:51: Dabei bin ich nicht kalt!
00:05:52: Ich empfinde viel, denke viel, reflektiere viel.
00:05:57: Ich drücke es nur anders aus – vielleicht ist genau das der Kern?
00:06:03: Ehrlichkeit ist nicht das Problem.
00:06:05: Unterschiedliche Erwartungen sind das Problem.
00:06:07: Wenn zwei Menschen unterschiedlich kommunizieren, wird der ja direkteste oft als härter wahrgenommen.
00:06:16: Nicht weil er weniger fühlt sondern weil er wenig filtert.
00:06:22: und trotzdem bleibt diese Frage im Raum warum wird man für Ehrlichkeit bestraft?
00:06:28: Warum wird man unbequem nur weil man klar ist Offenheit nur so lang erwünscht, wie sie ins eigene Tempo passt.
00:06:38: Genau da möchte ich jetzt ansetzen, denn das ist nicht nur meine persönliche Erfahrung – dahinter steckt mehr.
00:06:47: und genau das schauen wir uns mal im fachlichen Teil an!
00:06:52: Wenn wir fragen, warum Ehrlichkeit bei Autisten so oft bestraft wird dann hilft ein Blick darauf wie Kommunikation überhaupt funktioniert.
00:07:01: Viele Missverständnisse entstehen nicht weil jemand böse ist sondern weil zwei Menschen nach unterschiedlichen Regeln kommunizieren.
00:07:08: Bei Autismus gehören Kommunikationsunterschiede zum Kern der Diagnose.
00:07:14: Das heißt, nicht dass Autisten nicht kommunizieren können!
00:07:18: Es heißt das Stil, Tempo und Signale oft anders sind.
00:07:23: Viele Autisten bevorzugen klare direkte Sprache – sie sagen eher was Sie meinen und meinen oft genau das, was Sie sagen.
00:07:32: Indirekte Hinweise, Andeutungen oder soziale Coats zwischen den Zeilen sind für viele schwerer zu lesen oder fühlen sich einfach unlogisch an.
00:07:44: Das beschreibt nur National Autistic Association, so ähnlich heißen die.
00:07:52: So ist Beschreibnis halt!
00:07:54: Die Betonung dass es unterschiedliche Kommunikations-Diligen gibt und dass die Gesellschaft oft erwartet, dass Autisten die ganze Anpassungsarbeit leisten.
00:08:05: Jetzt kommt der Punkt, der für mein Thema entscheidend ist – in vielen sozialen Situationen wird nicht nur bewertet wenn jemand sagt sondern wie es gesagt wird Tonfall, Mimik, Blickkontakt Pausen, Smalltalk.
00:08:21: Viele neurotypische Menschen nutzen diese Dinge automatisch um ein Gefühl von Wärme Nähe und Sicherheit aufzubauen.
00:08:29: Wenn diese Signale anders sind entsteht schnell eine falsche Deutung.
00:08:35: Dann wirkt jemand plötzlich kalt hart oder abweisend Obwohl er eigentlich nur klar und sachlich ist.
00:08:43: Dazu passt eine wichtige Idee aus der Forschung die sogenannte Double Empathy Perspektiv.
00:08:51: Ich hoffe, ich habe es richtig ausgesprochen!
00:08:53: Ich bin so schlecht in Englisch... Sie sagt vereinfacht.
00:08:56: Das Problem liegt nicht nur bei Autisten.
00:09:00: Es ist oft ein beidseitiges Missverständnis zwischen zwei Gruppen mit unterschiedlichen sozialen Gewohnheiten.
00:09:08: Beide Seiten verstehen einander schlechter, wenn die Kommunikationsdiele sehr verschieden
00:09:13: sind.".
00:09:14: Auch die National Autistic Association erklärt diese sichtweise so... nämlich als Bruch in gegenseitigem Verständnis, nicht als einseitigen Defekt.
00:09:34: Und jetzt zum Thema Bestrafung.
00:09:36: Soziale Bestrafungen ist selten offen – sie passiert eher durch Distanz, durch weniger Antworten, durch Ausgrenzung, durch Ghosting auch beim Dating ja, durch ein negatives Etikett.
00:09:49: Forschungen zu Ernsten Eindrücken zeigen, dass nicht autistische Beobachter oft sehr schnell weniger positive Eindrücke von autistischen Menschen haben.
00:10:02: Teilweise reichen schon sehr kurze Ausschnitte so genannte Teen Slays... Ich hasse dies eigentlich wirklich!
00:10:09: Ich glaube ich muss mal aufhören, ich muss die mir irgendwie mal übersetzen damit ich die nicht so blöd ausspreche.
00:10:17: Okay um Urteile zu bilden das bedeutet Wenn jemand deine direkte Art als Kühl beutet, entsteht schnell ein Bild über deinen Charakter.
00:10:30: Nicht über deine Kommunikationsdiele sondern über dich als Mensch!
00:10:35: Und dieses Bild führt dann dazu, dass man dir weniger Wohlwollen gibt.
00:10:42: Genau das fühlt sich wie Bestrafung an – obwohl es oft ein Mix aus Fehlinterpretationen, Gewohnheit und schnellen Bewertungen ist!
00:10:51: Viele Autisten versuchen deshalb sich anzupassen….
00:10:56: Das nennt man Mesking oder Camouflaging.
00:10:59: Gemeint ist, dass man bewusst oder unbewusst versucht neurotypische Signale nachzumachen.
00:11:06: Man lächelt mehr obwohl es sich nicht natürlich anfühlt.
00:11:10: Man macht Smalltalk, obwohl es kraftkostet.
00:11:15: Obwohl man eigentlich klar sein will.
00:11:17: Man hält Reaktionen zurück, man überprüft ständig sich selbst.
00:11:22: Wirke ich freundlich genug?
00:11:24: War das zu hart?
00:11:26: Rede ich zu viel von mir selbst!
00:11:30: Hab' ich zu lange Pausen gemacht?
00:11:32: und ja... Das kostet Energie nicht ein bisschen sondern oft sehr viel.
00:11:38: Es gibt dazu eine große wissenschaftliche Übersicht, die zusammenfasst dass Camouflaging also Masking häufig mit Stress verbunden ist und als mentale und körperliche Erschöpfung beschrieben wird.
00:11:52: Menschen berichten dabei auch von Angst, inneren Druck und dem Gefühl nicht sie selbst zu sein!
00:11:59: Wenn diese Anpassung lange läuft kann das in etwas... Münden, dass viele Autisten als autistischen Burnout beschreiben.
00:12:09: Eine wichtige Studie von Raymaker und anderen definiert autistische Burnouts als einen Zustand aus starker langfristiger Erschöpfung weniger Leistungsfähigkeit und geringere Belastbarkeit ausgelöst durch chronischen Stress und eine dauerhafte Lücke zwischen Erwartungen und eigenen Möglichkeiten, ohne genug Unterstützung.
00:12:34: Und hier schließt sich der Kreis zu meinem Thema.
00:12:37: Wenn ein Autist ehrlich und direkt ist kann er dafür sozial bestraft werden weil andere es falsch deuten.
00:12:44: wenn er versucht das all anders zum machen muss er maskieren Und dieses Masking kann so viel Energie kosten, dass es auf Dauer krank macht.
00:12:55: Man steckt dann schnell in einem Dilemma.
00:12:58: Entweder man ist echt und wird missverstanden oder man passt sich an und bezahlt dafür mit der Schöpfung.
00:13:06: Vielleicht ist deshalb diese Erfahrung so häufig.
00:13:10: Menschen sagen, sie wollen Ehrlichkeit aber sie meinen oft eine spezielle Form von Ehrlichheit.
00:13:17: Eine die weich klingt, eine die das Tempo des Gegenübers schützt, eine in die üblichen sozialen Regeln passen.
00:13:26: wenn Ehrlichkeit aber wirklich ehrlich ist also klar schnell direkt ohne Polster, dann wird sie in unserer Kultur oft mit Unfreundlichkeit verwechselt.
00:13:38: Das ist kein Beweis dafür dass der ehrliche Mensch böse ist!
00:13:42: Es zeigt eher wie stark wir gelernt haben Wärme an bestimmten Verpackungen zu koppeln und das ist auch ein wichtiger fachlicher Punkt für alle die Zuhörem.
00:13:53: es lohnt sich mehr auf Inhalte und Absichten zu schanken nicht nur auf den Stil Denn direkt heißt nicht gefühlslust, sachlich heißt nicht böse und weniger soziale Polsterung heißt nicht dass da keine Empathie ist.
00:14:11: Damit wären wir beim Kern.
00:14:13: Ehrlichkeit wird bei Autisten oft nicht wegen der Wahrheit bestraft sondern wegen der Form die für andere ungewohnt ist Und weil viele Menschen schnell Urteile fällen statt nachzufragen.
00:14:28: Wenn man das versteht, kann man im Alltag viel entschärfen auf beiden Seiten.
00:14:35: Damit sind wir auch wieder am Ende unserer heutigen Folge!
00:14:56: Und dann bleibt noch zu sagen, bleib neugierig.
00:14:58: Bleib du selbst!
00:14:59: Bleib einzigartig!
00:15:00: Bleibe ehrlich!
00:15:01: Bis dann!
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