Autismus Talk - Wenn Hilfe annehmen schwerer ist als alles alleine zu tragen
Shownotes
In dieser Folge geht es um die Frage, warum Hilfe annehmen für viele autistische Menschen und Menschen mit ADHS so schwierig ist.
Themenschwerpunkte der Folge Persönliche Erfahrungen mit Hilfe, Kontrolle und Überforderung Warum Maskierung Hilfe erschwert Autismus, Autonomie und das Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit ADHS und das späte Wahrnehmen von Erschöpfung Hilfevermeidung als Schutzstrategie Warum gut gemeinte Unterstützung Stress verstärken kann Langzeitfolgen von dauerhaftem Alleintragen Was Unterstützung bei Neurodivergenz berücksichtigen sollte
Der Podcast richtet sich an Betroffene, Angehörige und alle, die Neurodivergenz besser verstehen möchten.
Wenn dir diese Folge hilft oder Fragen aufwirft, teile sie gern oder schreib mir deine Gedanken dazu.
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und willkommen bei Autismus Talk, dem Podcast der Verständenschaft.
00:00:05: Ich bin Mike Blumenberg, Autor, Podcast und Content Creator.
00:00:09: Hier spreche ich offen über Autismus, über echte Erfahrungen, Aufklärung und das Leben auf dem Spektrum mit dem Ziel mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen.
00:00:19: Schön, dass du eingeschaltet hast und Teil dieser Reise bist.
00:00:23: Diese Woche geht es um das Thema, wenn Hilfe annehmen, schwerer ist, als alles allein zu tragen.
00:00:30: Bevor wir in das eigentliche Wochenthema einsteigen, möchte ich kurz über etwas sprechen, was auch sehr wichtig ist.
00:00:39: Viele erwarten von einem Podcast wie diesem, dass es jede Woche neue Studien, neue Zahlen oder neue große Erkenntnisse zu Autismus, ADHS und neue Divergenz gibt.
00:00:52: Diese Woche muss ich aber ganz offen sagen, es gibt keine wirklichen neuen belastbaren News.
00:00:59: Und das ist kein Fehler, kein Versäumnis und auch kein Zeichen dafür, dass das Thema gerade unwichtig wäre.
00:01:08: Im Gegenteil, es zeigt, wie Wissenschaft und seriöse Forschung tatsächlich funktioniert.
00:01:15: Große Studien, neue Leitlinien oder offizielle Berichte erscheinen nicht wöchentlich.
00:01:22: Sie brauchen Zeit.
00:01:24: Sie werden geprüft, diskutiert und oft über Monate oder Jahre vorbereitet.
00:01:30: In der Kalenderwoche drei, also letzte Woche, gab es weder neue große Studien, noch neue offizielle Veröffentlichungen von Gesundheitsbehörden, weder international noch in Deutschland.
00:01:42: Die man ehrlich als neue Entwicklungen verkaufen könnte.
00:01:47: Was es diese Woche gab, waren vor allem Meinungsartikel, Social-Media-Diskussionen und das wieder aufgreifen ältere Studien.
00:01:58: Das sind keine neuen Erkenntnisse, sondern Einordnungen und persönliche Sichtweisen.
00:02:04: Genau deshalb habe ich mich bewusst dagegen entschieden, hier künstliche News zu produzieren oder alte New-Themen als neue darzustellen.
00:02:14: Gerade im Bereich Neurodivergents halte ich das für besonders wichtig.
00:02:19: Viele Menschen sind verunsichert.
00:02:21: Es gibt Halbwissen, Angst, schnelle Schlagzeilen und oft auch falsche Zusammenhänge.
00:02:29: Wenn ich hier etwas erzähle, dann soll es stimmen.
00:02:32: Und wenn es nichts Neues gibt, dann ist das auch eine ehrliche Aussage.
00:02:38: Das gibt übrigens ganz besonders für Deutschland.
00:02:42: Auch hier gab es in dieser Woche keine neuen offiziellen Zahlen, keine neuen Programme und keine neuen Berichte zu Autismus oder ADHS.
00:02:53: Das bestätigt leider ein bekanntes Bild.
00:02:57: In Deutschland wird viel geforscht und behandelt, aber wenig öffentlich kommuniziert.
00:03:06: Veränderungen passieren langsam und oft ohne große Transparenz.
00:03:12: Das führt schnell zu dem Eindruck, dass nichts passiert, obwohl im Hintergrund viele Fachleute arbeiten.
00:03:23: Ich finde es ist wichtig, dass klar zu benennen.
00:03:27: Seriöse Aufklärung bedeutet nicht, jede Woche etwas liefern zu müssen, seriöse Aufklärung bedeutet auch sagen zu können, diese Woche gibt es keine neuen belastbaren Erkenntnisse.
00:03:41: Und das ist völlig normal.
00:03:43: Deshalb nutze ich diese Stelle nicht für künstliche News, sondern als sauberen Übergang zum eigentlichen Wochenthema.
00:03:52: Denn auch ohne neue Studien bleibt die Erfahrung, Fragen und Herausforderungen rund um Autismus und ADHS real und relevant.
00:04:02: Und genau darüber sprechen wir jetzt.
00:04:06: Heute geht es um das Thema, dass viele neurodivergente Menschen sehr gut kennen, aber auch neurotypische.
00:04:14: Aber selten klar benannt wird.
00:04:17: Es geht um Situationen, in denen Hilfe annehmen sich schwerer anfühlt, als alles allein zu tragen.
00:04:23: Nicht weil keine Hilfe da wäre, nicht weil man alles allein schaffen will, sondern weil Hilfe oft Unsicherheit bedeutet.
00:04:34: Verlust von Kontrolle, Erklärungszwang, Abhängigkeit.
00:04:38: Gerade bei Autismus und ADHS wird Hilfe annehmen, von außen oft falsch gelesen.
00:04:46: Als Stolz, als Sturheit, als mangelnde Einsicht.
00:04:52: Fachlich ist das nicht haltbar.
00:04:55: Aus meiner persönlichen Sicht ist Hilfe an dem kein neutraler Vorgang.
00:05:01: Es ist emotional aufgeladen und das hat sehr viel mit Autismus und auch mit ADHS zu tun.
00:05:09: Ich habe früher gelernt zu funktionieren, nicht weil ich besonders belastbar bin, sondern weil nicht funktionieren Konsequenzen hatte.
00:05:19: Auffallen, Nachfragen, Bewertungen, Druck.
00:05:24: Also wurde angepasst.
00:05:26: Diese Anpassung, das sogenannte Masking, bedeutet, dass ich nach außen oft kompetent wirken, belastbar, selbstständig und genau das macht es schwer, Hilfe anzunehmen.
00:05:43: Denn Hilfe würde dieses Bild infrage stellen.
00:05:46: Bei mir entsteht dann sofort der Gedanke, wenn ich jetzt Hilfe brauche, habe ich vorher etwas falsch gemacht.
00:05:54: Ich hätte es besser planen müssen, besser durchhalten müssen.
00:05:59: Solche Gedanken sind nicht rational, aber sie sind tief verankert.
00:06:05: Autismus bedeutet für mich auch ein starkes Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit.
00:06:12: Hilfe ist aber oft unklar.
00:06:15: Wie Hilft jemand?
00:06:17: Was erwartet die Person im Gegenzug?
00:06:20: Wird etwas verändert, ohne dass ich es kontrollieren kann?
00:06:26: Bei ADHS kommt noch etwas anderes dazu.
00:06:31: Ich merke Überlastung oft erst sehr spät.
00:06:34: Ich funktioniere im Tunnel.
00:06:36: Der Körper macht weiter, der Kopf auch.
00:06:40: Hilfe anzunehmen würde bedeuten in Inne zu halten.
00:06:46: Und genau das fällt schwer.
00:06:49: Ein weiterer Punkt ist Kommunikation.
00:06:53: Hilfe an dem heißt erklären, Bedürfnisse benennen, Grenzen formulieren.
00:06:58: Und genau das ist bei Autismus oft anstrengend oder sogar überfordert.
00:07:05: Worte für innere Zustände fehlen oder kommen zu spät.
00:07:11: Ich habe auch gelernt, dass Hilfe oft nicht passt.
00:07:15: Gut gemeint, aber nicht hilfreich.
00:07:18: Oder sie bringt neue Probleme, neue Erwartungen, neue soziale Verpflichtungen.
00:07:25: Also fühlt sich allein tragen einfacher an.
00:07:29: Nicht leichter, aber einfacher.
00:07:34: Denn allein tragen ist kalkulierbar.
00:07:37: Ich weiß, was mich erwartet.
00:07:40: Hilfe ist komplex und soziale Komplexität kostet mich enorm viel Energie.
00:07:50: Was ich hier beschreibe, ist keine individuelle Eigenart.
00:07:56: Es ist gut erklärbar und es ist... Es betrifft sehr viele Menschen aus dem Autismusspektrum und mit ADHS und wahrscheinlich auch viele neurotypische Menschen.
00:08:06: Deshalb jetzt mal den sachlichen Blick auf dieses Thema.
00:08:11: Fachlich betrachtet gibt es mehrere gute belegte Gründe, warum Hilfe annehmen für autistische Menschen und Menschen mit ADHS besonders schwierig ist.
00:08:22: Ein zentraler Faktor bei Autismus ist das Bedürfnis nach Autonomie und Kontrolle.
00:08:28: Diese Bedürfnisse entstehen häufig aus wiederholten Erfahrungen, dass fremde Hilfe übergriffig, unpassend oder entwertend war.
00:08:40: Studien und Erfahrungen Berichte zeigen, dass autistische Menschen Unterstützung oft als Eingriff erleben, nicht als Entlastung, vor allem dann, wenn Hilfe ungefragt kommt oder nicht klar strukturiert ist.
00:08:58: Hinzu kommt die sensorische und soziale Belastung.
00:09:03: Hilfe bedeutet häufig mehr Interaktion, mehr Reize, mehr Veränderung.
00:09:08: Das kann den Stress erhöhen statt senken.
00:09:12: Bei ADHS spielt die Wahrnehmung von Belastung eine große Rolle.
00:09:18: Viele Betroffene unterschätzen ihren Erschöpfungsgrad.
00:09:22: Hilfe wird erst dann angenommen, wenn es eigentlich schon zu viel ist.
00:09:28: Außerdem gibt es bei ADHS häufig ein starkes Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit.
00:09:34: Hilfe kann sich dann wie ein Scheitern anfühlen, auch wenn das fachlich falsch ist.
00:09:43: Ein weiterer wichtiger Punkt ist Maskierung.
00:09:49: Sowohl bei Autismus als auch bei ADHS zeigen viele Betroffene nach außen ein angepasstes Verhalten.
00:09:57: Hilfe anzunehmen würde diese Maske infrage stellen.
00:10:01: Das wird als Risiko erlebt.
00:10:04: Fachlich spricht man hier von einer Schutzstrategie.
00:10:09: Hilfevermeidung ist nicht irrational, sondern erlernt.
00:10:16: Problematisch wird es langfristig.
00:10:19: Dauerhaftes Alleintragen erhöht das Risiko für Erschöpfung.
00:10:25: Zustände, depressive Symptome und Burnout.
00:10:30: Besonders bekannt ist hier der autistische Burnout, der nicht plötzlich entsteht, sondern über Jahre.
00:10:39: Deshalb wird in der Fachliteratur betont, dass Unterstützung bei Neurodivergenz anders gedacht werden muss, nicht als Eingriff, sondern als Kooperation, nicht als Bewertung, sondern als Angebot.
00:10:58: Zum Schluss möchte ich noch sagen, Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, aber es ist auch kein einfacher Lernschritt, den man einfach beschließen kann.
00:11:09: Für viele autistische Menschen und Menschen mit ADHS ist Hilfe annehmen, mit Erfahrungen verknüpft, die nicht positiv waren.
00:11:17: Misstrauen ist nachvollziehbar.
00:11:20: Wenn du selbst betroffen bist, dann ist wichtig zu wissen, dass dein Verhalten einen Grund hat.
00:11:27: Und wenn du nicht betroffen bist, dann ist wichtig zu verstehen, dass Hilfe nur dann hilft, wenn die Autonomie respektiert wird.
00:11:40: In der nächsten Folge werden wir dann natürlich ein neues Thema besprechen.
00:11:44: Das werde ich euch dann auch wieder frühzeitig informieren.
00:11:48: drüber noch eine kleine angelegenheit denn gestern also heute ist sonntag ich den podcast oft sonntags auf.
00:11:55: gestern war das hr bei mir zuhause und hat einen beitrag erstellte über mich über mein autismus über meine projekte und ja Ich weiß noch nicht, wann der Beitrag kommt, aber ich werde natürlich euch auf den Laufenden halten und ich hoffe, dass es gut wird.
00:12:18: Es wird auf jeden Fall im HR, im hessischen Rundfunk sein.
00:12:24: Damit sind wir am Ende der heutigen Folge.
00:12:27: Wenn dir dieser Einblick geholfen hat und du Neurilvergänz besser verstehen möchtest, findest du mich auch auf meinen anderen Kanälen.
00:12:35: Unter RealMight.com bin ich auf Instagram, YouTube, TikTok und Twitch aktiv.
00:12:42: Dort aber weniger mit dem Thema Autismus, sondern eher um Reichweite zu erreichen, um halt ... Autismus weiterzuarbeiten, da ich Autist bin und ich den Leuten dann mit meiner Art und Weise zeigen kann, wie Autismus auch sein kann.
00:12:57: Und ja, dann findet ihr natürlich meine üblichen Sachen über Autismus im Instagram, Autismustalk.podcast.
00:13:08: Und ja, wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, folge mir gerne.
00:13:13: und Dann sage ich nur noch Danke, dass du heute zugehört hast.
00:13:19: und bleib neugierig, bleib einzigartig, bis zur nächsten Folge.
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