Autismus Talk - Funktionieren nach außen und Zusammenbrechen im Privaten
Shownotes
In dieser Folge von Autismus Talk geht es um das Wochenthema Funktionieren nach außen und Zusammenbrechen im Privaten.
Zu Beginn werden aktuelle Entwicklungen aus Forschung und öffentlicher Diskussion rund um Autismus und ADHS eingeordnet. Thema sind neue Erkenntnisse zur Aufmerksamkeit und innerem Grundrauschen im Gehirn, aktuelle Auswertungen zu ADHS Medikamenten und deren Wirkung auf Wachheit und Durchhaltevermögen, der kritische Blick auf alternative Behandlungsansätze bei Autismus sowie die Einordnung von Studien zu verschiedenen Autismus Gruppen. Außerdem wird erklärt, warum Autismus und ADHS genetische Überschneidungen haben, aber eigenständige Diagnosen bleiben.
Im persönlichen Teil wird beschrieben, wie äußeres Funktionieren und innere Erschöpfung zusammenhängen können und warum Zusammenbrechen im Privaten kein plötzliches Versagen ist, sondern eine verzögerte Reaktion auf dauerhafte Anpassung.
Im fachlichen Teil wird verständlich erklärt, wie Belastung, Selbstregulation und Nervensystem zusammenwirken, warum Erschöpfung oft erst in sicheren Momenten auftritt und weshalb Funktionieren keine dauerhafte Stabilität bedeutet.
Diese Folge richtet sich an Betroffene, Eltern, Angehörige und alle, die neurodivergente Lebensrealitäten besser verstehen möchten.
Neue Folgen von Autismus Talk erscheinen regelmäßig. Weitere Infos und alle Plattformen findest du in der Beschreibung.
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und willkommen zu einer neuen Folge von Autismus Talk, dem Podcast der Verständnisschaft.
00:00:07: Ich bin Mike Blumenberg, Autor, Podcaster und Content Creator.
00:00:11: Hier spreche ich offen über Autismus, über echte Erfahrungen, Aufklärung und das Leben auf dem Spektrum, mit dem Ziel mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen.
00:00:21: Schön, dass du eingeschaltet hast und Teil dieser Reise bist.
00:00:26: Ja, ihr habt jetzt etwas länger nicht von mir gehört durch die Weihnachts- und Silvesterzeit.
00:00:30: Da braucht ich auch ein bisschen Entspannung und Ruhe.
00:00:33: Das war auch sehr viel.
00:00:34: Ich war in Düsseldorf für ein paar Tage und war mit meinem Sohn dort.
00:00:39: Und ja, dann habe ich die Woche jetzt auch noch ein bisschen gestreamt.
00:00:45: Und ja, also diese Woche haben wir das Thema Funktionieren nach außen und zusammenbrechen im Privaten.
00:00:54: Und da es jetzt ein bisschen Zeit vergangen ist, werde ich jetzt erstmal die Neuigkeiten der letzten Tage volle sind, die ein bisschen viel geworden sind.
00:01:03: Aber ja, es ist immer gut zu wissen, wie es sich so draußen entwickelt.
00:01:09: Daher fange ich jetzt erstmal mit den Neuigkeiten an, gehe dann auf das Persönliche zum Wochenthema und dann auf das Fachliche ein.
00:01:17: Ja, in den letzten Tagen gab es mehrere interessante Entwicklungen, die zwar keine großen Durchbrüche darstellten, aber wichtige Positile im Verständnis liefern.
00:01:30: Einer der spannendsten Meldungen kommt aus der Grundlagenforschung zur Aufmerksamkeit.
00:01:36: Dort wurde untersucht, warum Aufmerksamkeit bei manchen Menschen besser funktioniert als bei anderen.
00:01:43: Das Ergebnis lässt sich vereinfacht so zusammenfossen.
00:01:47: Es geht weniger darum, dass das Gehirn stärker arbeitet, sondern ruhiger.
00:01:53: In der Studie zeigt sich, dass weniger inneres Grundrauschen im Gehirn dazu führen kann, dass Signale klarer ankommen und besser verarbeitet werden.
00:02:07: Das passt sehr gut zu dem, was viele Menschen mit ADHS oder Autismus beschreiben.
00:02:14: Nicht zu wenig Leistung, sondern zu viel gleichzeitig Gedanken, Reize und innere Prozesse.
00:02:22: Wichtig ist dabei, das ist keine Therapie und keine Lösung für den Alltag.
00:02:29: Es ist ein Erklärungsansatz, der hilft zu verstehen, warum Sortieren, Filtern und Fokussieren oft so anstrengend ist.
00:02:41: Eine zweite Entwicklung betrifft Medikamente bei ADHS.
00:02:46: Neue Auswertungen großer Datensätze deuten darauf hin, dass viele Medikamente weniger direkt die Aufmerksamkeit verbessern, als lange angenommen wurde.
00:02:59: Stattdessen scheinen sie vor allem Wachheit, Antrieb und Durchhaltungsvermögen zu beeinflussen.
00:03:07: Menschen bleiben eher auf einer Aufgabe, sind wacher und brechen weniger schnell ab.
00:03:16: Das erklärt auch, warum Schlafprobleme und ADHS Symptome sich stark ähneln und warum Medikamente sehr unterschiedlich erlebt werden.
00:03:26: Für Autismus ist das indirekt relevant, weil Schlaf, Reizverarbeitung und Aufmerksamkeit auch hier eng miteinander verbunden sind.
00:03:37: In den letzten Tagen wurden außerdem wieder viele alternative und ergänzende Behandlungsansätze bei Autismus thematisiert.
00:03:47: Auslöser ist eine größere Übersichtsstudie, die zwar nicht neu ist, aktuell aber wieder aufgegriffen wurde.
00:03:55: Das Ergebnis ist recht eindeutig.
00:03:58: Für viele dieser Ansätze gibt es keine gute wissenschaftliche Absicherung.
00:04:05: Häufig fehlen sogar verslässliche Daten zur Sicherheit.
00:04:11: Das bedeutet nicht automatisch, dass alles wirkungslos ist.
00:04:14: Es bedeutet aber, dass Vorsicht angebracht ist, besonders bei teuren Angeboten, schnellen Versprechen und allem, was stark in den Körper eingreift, ohne Risiken offen zu benennen.
00:04:30: Auch das Thema verschiedener Autismustypen war wieder stark in den Medien.
00:04:35: Grundlage ist eine Studie aus dem letzten Sommer.
00:04:39: Die Autismus in mehreren Gruppen einteilt, basierend auf Entwicklungen, Merkmalen und genetischen Mustern.
00:04:47: Wissenschaftlich ist das interessant, wird medial aber oft überzogen dargestellt.
00:04:55: Es handelt sich nicht um neue Diagnosen und nicht um neue Schubladen für den Alltag.
00:05:02: Es ist ein Forschungsmodell, um die enorme Vielfalt besser zu verstehen, mehr nicht, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.
00:05:13: Zum Schluss noch ein Punkt, der zunehmend Aufmerksamkeit bekommt.
00:05:17: Studien zeigen, dass viele psychische und neurologische Diagnosen genetisch stärker miteinander verbunden sind, als langer angenommen.
00:05:25: Autismus und ADHS teilen bestimmte biologische Grundlagen, bleiben aber eigenständige Diagnosen.
00:05:32: Das hilft vor allem dabei, Überschneidungen besser zu erklären und wegzukommen von der Vorstellung Diagnosensein strikt getrennte Welten.
00:05:44: Das sind die wichtigsten Entwicklungen der letzten Tage, keine Revolution, aber mehrere kleine Schritte, die das Gesamtbild klarer machen.
00:05:54: Und mit diesem Überblick gehen wir jetzt ins eigentliche Wochenthema, wo es weniger um Studien geht, sondern um den Alltag und die Realität dahinter.
00:06:08: Das Wochenthema, wie gesagt, lautet funktionieren nach außen und zusammenbrechen im Privaten.
00:06:16: Dieses Muster kenne ich sehr gut.
00:06:20: Ja, das ist der persönliche Teil.
00:06:23: Und viele andere vermutlich auch.
00:06:25: nach außen läuft alles auf, Aufgaben werden, also nach außen hin läuft alles, Aufgaben werden erledigt, Gespräche geführt, Verantwortung übernommen, für andere wirkt das stabil, kontrolliert und belastbar.
00:06:40: Und genau deshalb wird oft nicht hinterher gefragt, ich bin ein bisschen wirrig gerade im Kopf, und nochmal von Neu.
00:06:49: Und genau deshalb wird oft nicht hinterfragt, wie es innen aussieht.
00:06:55: Bei mir war es lange ein großes Fragezeichen.
00:06:58: Wie kann es sein, dass ich tagsüber funktioniere und abends oder im privaten Umfeld komplett erschöpft bin?
00:07:06: Warum passt das nicht zusammen?
00:07:09: Lange habe ich gedacht, das bedeutet, dass mit mir etwas nicht stimmt.
00:07:15: Heute, also ich habe Blutproben, ich habe also Blutergebnisse, alles Mögliche, was natürlich auf Müdigkeit, Erschöpfung hinweisen kann, habe ich alles überprüfen lassen, war alles eigentlich in Ordnung.
00:07:26: Heute sehe ich das anders.
00:07:28: Das funktionieren selbst ist die Belastung.
00:07:32: Während man im Alltag ruhig bleibt, sich anpasst und Erwartungen erfüllt, wird innerlich sehr viel Energie verbraucht.
00:07:40: Reize werden gefiltert, Gedanken sortiert, Emotionen kontrolliert.
00:07:44: Das alles läuft oft automatisch und unbemerkt.
00:07:49: Im privaten Raum fällt diese Kompensation weg.
00:07:55: Dort muss nicht mehr gehalten werden, keine Rolle, keine Kontrolle, kein Durchhalten.
00:08:02: Und genau dort meldet sich der Körper.
00:08:05: Erschöpfung, Rückzug oder Lehre kommen nicht aus dem Nichts, sie kommen verspätet.
00:08:13: Was mir geholfen hat, war die Erkenntnis, dass zusammenbrechen kein persönliches Versagen ist, sondern ein Nachlassen, wenn der Druck wegfällt.
00:08:24: Nicht der Moment am Abend ist das Problem, sondern die Dauer der Anspannung davor.
00:08:31: Ich weiß nicht, vielleicht für die Menschen, die neurotypisch sind.
00:08:35: Ihr kennt das vielleicht, ihr seid erkältet, am Tag funktioniert alles, ihr habt kaum Symptome.
00:08:40: Und erst am Abend, wenn ihr zur Ruhe kommt, dann kommen die ganzen Symptome, da kommen Husten, Halsschmerzen, Gliederschmerzen kommen wieder.
00:08:47: Und genauso ist das halt auch bei dieser Erschöpfung.
00:08:50: Neurotypische Menschen kennen das mit Sicherheit auch.
00:08:53: dieses Erschöpfungsgefühl.
00:08:56: Und diese Spannung, wenn man Feierabend hat und alles von einem runter fällt.
00:09:02: Diese Sichtweise hat viel Schuld von mir genommen.
00:09:06: Sie hat mir erlaubt, Erschöpfung nicht mehr als persönliches Scheitern zu sehen, sondern als Signal.
00:09:13: Und genau hier liegt der Übergang zum fachlichen Teil.
00:09:18: Denn aus fachlicher Sicht ist dieses Muster gut erklärbar.
00:09:23: Menschen verfügen über begrenzte innere Ressourcen.
00:09:26: Dazu gehören Konzentration, emotionale Kontrolle, Reizverarbeitung und soziale Anpassung.
00:09:33: Diese Ressourcen werden im Alltag ständig genutzt, besonders dann, wenn viele Aufmerksamkeit, Rücksichtsnahme oder Selbstkontrolle nötig ist.
00:09:43: Funktionieren nach außen bedeutet oft, dass diese Ressourcen dauerhaft beansprucht werden.
00:09:49: Müdigkeit wird ignoriert, Überforderung ausgeblendet und innere Anspannung kontrolliert.
00:09:55: Solang das gelingt, wirkt alles stabil.
00:09:59: Das Nervensystem kann diese Belastung eine Zeit lang ausgleichen.
00:10:03: Es hält Anspannung aufrecht und verschiebt Reaktionen.
00:10:09: Dieser Zustand ist jedoch nicht dauerhaft haltbar.
00:10:12: Wenn äußere Anforderungen wegfallen, bericht dieser Ausgleich weg.
00:10:18: Die aufgestaute Belastung wird spürbar.
00:10:23: Wichtig ist dabei, dass diese Reaktion zeitverzögert ist.
00:10:27: Der Körper reagiert nicht im Moment der Belastung, sondern dort, wo Sicherheit vorhanden ist.
00:10:34: Der das erklärt, warum Menschen im privaten Umfeld erschöpft sind, obwohl der Tag scheinbar gut lief.
00:10:43: Gesellschaftlich wird dieses Muster oft verstärkt.
00:10:47: Wer funktioniert, gilt als belastbar.
00:10:50: Wer belastbar wirkt, bekommt mehr Erwartungen und weniger Unterstützung.
00:10:55: Dadurch bleibt Belastung unsichtbar und der Kreislauf verstärkt sich.
00:11:01: Gerade bei neurodivergenten Menschen ist dieser Effekt ausgeprägt.
00:11:06: Betrifft aber auch, wie gesagt, schon viele neurotypischen Personen.
00:11:10: Es geht nicht um Willensstärke oder Disziplin, sondern um biologische Grenzen.
00:11:17: Ein hilfreicher Perspektivwechsel ist, funktionieren nicht als Normalzustand zu betrachten.
00:11:29: Es ist eine Leistung, kein Dauerzustand.
00:11:34: Erholung und Rückzug sind keine Schwäche, sondern notwendige Bestandteile von Stabilität.
00:11:42: Für Angehörige bedeutet das Verhalten im privaten Raum nicht isoliert zu bewerten.
00:11:49: Für Betroffene bedeutet es eigene Grenzen ernst zu nehmen, auch wenn sie nach außen nicht sichtbar sind.
00:11:59: Zum Abschluss bleibt noch zu sagen, funktionieren nach außen und zusammenbrechen im Privaten ist kein Widerspruch.
00:12:06: Es ist ein Zusammenhang.
00:12:09: Verständnis beginnt dort, wo wir aufhören, äußere Leistungen mit innerer Stabilität gleichzusetzen.
00:12:17: Und genau das kann im Alltag entlasten für Betroffene und für ihr Umfeld.
00:12:25: Ja, damit bedanke ich mich für die heutige Folge, dass ihr zugehört habt.
00:12:30: Wenn dir dieser Einblick geholfen hat und du neurodivergenz besser verstehen möchtest, findest du mich auch auf meinen anderen Kanälen.
00:12:39: Unter Real Mike, bin ich auf Instagram, YouTube, TikTok und Twitch aktiv und teile dort persönliche.
00:12:48: Aber ich habe jetzt auch mehr mit Gaming angefangen.
00:12:51: Also ich habe dieses, ich versuche ja mehr Reichweite zu generieren, um mein Autismus in den Mittelpunkt zu bekommen.
00:12:57: Damit mehr Menschen sehen, ich bin Autist.
00:13:00: Schaut mich an, ich bin einer von euch.
00:13:03: Ich habe sehr viel Mist erlebt in meinem Leben.
00:13:07: Und um diese Reichweite zu generieren, muss ich natürlich auch viel versuchen.
00:13:11: Und ich habe gemerkt, dass wenn ich Gaming-Videos wie zum Beispiel von Fortnite hochlade, dass ich sogar bis zu zweitausend Videos bekomme.
00:13:18: Es hilft mir einfach, einen Schritt näher daran mehr Sichtbarkeit für Autismus zu schaffen.
00:13:24: Es geht mir nicht darum, selbst irgendwie berühmt bekannt zu werden, sondern ich möchte das, was ich erlebt habe, einen Sinn geben, in dem ich anderen Menschen zeige, dass sie nicht alleine sind damit, dass sie Hoffnung haben, dass es Voraufeils geben kann.
00:13:40: Ich war ganz unten, ich habe mein ganzes Leben aufgebaut, ich habe immer wieder gekämpft, bin immer wieder gestürzt und immer wieder aufgestanden.
00:13:46: Und ich möchte, dass das, was ich erlebt habe, einen Sinn hat.
00:13:50: Und wenn ich so viele Menschen damit helfen kann, wie es geht, dann versuche ich dieses auch.
00:13:57: Ja, und dann habe ich natürlich auch noch den fachlichen Inhalt.
00:14:01: Den findest du auf Instagram unter AutismusTalk.Podcast.
00:14:07: Und dort habe ich auch ein bisschen was geändert.
00:14:11: Es bleiben die drei fachlichen post dienstag donnerstag und samstag auch die Motivations post von montag bis freitag und ich habe jetzt noch für mittwoch und freitag noch persönliche post die vorher bei real mic vormundzwanzig waren rüber geholt weil drüben hat es einfach nicht funktioniert.
00:14:30: drei und vierzig aufrufe das war einfach zu wenig.
00:14:34: deswegen wie gesagt real mic habe ich jetzt mehr in den gaming bereich einfach zum Nutzen, zum Aufbauen meiner Bekanntheit und meines Autismuses, damit mehr Menschen sehen, hier, der ist Autist und er ist ja eigentlich doch cool und es gibt coole Autisten.
00:14:49: Alle Autisten sind cool, weil wir alle super speziell sind und alle individuell und wir sind einfach toll.
00:14:55: Auch Neuotypische Menschen sind toll, alle Menschen sind toll.
00:14:59: Nur manche sehen es halt nicht und dann muss man es sichtbar machen.
00:15:03: Ja, und wenn du meiner Arbeit natürlich unterstützen möchtest, folgen mir und natürlich like bitte videos die dir gefallen damit ich weiß was dir gefällt was ich mehr machen muss oder was nicht so gut ist was ich anders machen mit gibt mir feedback schreibt in videos kommentiert damit ich mit euch in interaktion treten kann damit wir alle eine schöne große community werden um miteinander auszutauschen um zu zeigen wir sind da wir sind sichtbar.
00:15:34: Wir müssen nicht auf die Straße gehen und laut los schreien, sondern wir machen es einfach leise in unserer Community und wachsen immer größer, bis wir dann genug Leute haben, um gesehen zu werden.
00:15:46: Ja, dann danke ich für die heutige, das für's heutige zuhören und ich freue mich schon auf die nächste Folge.
00:15:56: Bis nächste Woche.
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