Autismus Talk - Freundschaft und Autismus
Shownotes
In dieser Folge geht es um Freundschaft aus der Sicht eines autistischen Menschen. Zuerst erkläre ich fachlich, warum Freundschaft bei Autismus anders funktioniert und welche Herausforderungen eine Rolle spielen. Danach erzähle ich meinen eigenen Weg durch Kindheit, Jugend und Erwachsensein und wie sich meine Sicht auf Nähe und Vertrauen mit der späten Diagnose verändert hat.
Du findest meine fachlichen Inhalte auf meinem Kanal AutismusTalk.podcast und meine persönlichen Erfahrungen auf RealMaik25. Zusätzlich gibt es Videos auf TikTok und YouTube sowie Livestreams auf Twitch, TikTok und Kick. Der Podcast ist überall hörbar, wo es Podcasts gibt.
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen bei Autismus Talk, dem Podcast der Verständnisschaft.
00:00:05: Ich bin Mike Blumenberg, Autor, Podcaster und Content Creator als Real Mike.
00:00:11: Hier spreche ich offen über Autismus, über echte Erfahrungen, Aufklärung und das Leben auf dem Spektrum.
00:00:19: Mit dem Ziel mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen.
00:00:22: Schön, dass du eingeschaltet hast und Teil dieser Reise bist.
00:00:27: Ich habe den Podcast in zwei Teile aufgeteilt.
00:00:30: Im ersten Teil werde ich über meine eigene Erfahrung mit Freundschaften besprechen, also das, was ich als undiagnostizierter Autist erlebt habe.
00:00:41: Im zweiten Teil werde ich allgemein über neue Divergenz und Freundschaft sprechen.
00:00:46: Fangen wir an mit der Kindheit.
00:00:49: Meine Geschichte mit Freundschaft beginnt mit einem Rückstand, den niemand gesehen hat.
00:00:54: Ich lernte erst mit vier Jahren zu sprechen und kam mit fünf in den Kindergarten.
00:01:00: Ein Jahr später war ich schon in der Schule.
00:01:03: Die kurze Zeit im Kindergarten reichte nicht, um soziale Grundlagen aufzubauen.
00:01:09: Andere Kinder wussten intuitiv, wie Freundschaft funktionierte.
00:01:13: Ich stand daneben und versuchte zu verstehen, was für alle selbstverständlich war.
00:01:19: In der Schule war ich eines der wenigen deutschen Kinder in einem sozialen Brennpunkt.
00:01:26: Freundschaft war dort selten etwas Warmes.
00:01:29: Meist war sie ein Machtkampf.
00:01:33: Ich wollte dazu gehören, doch ich wusste nicht, wie man näher aufbaut oder erkennt, ob jemand ehrlich ist.
00:01:42: Ich wurde belogen, bestohlen, ausgenutzt, gemobbt, nach der Schule gejagt und verprügelt.
00:01:48: Freundschaft fühlte sich an wie ein Test.
00:01:51: den ich immer wieder nicht bestand.
00:01:55: Und ich vertraute Menschen, obwohl dieses Vertrauen ständig missbraucht wurde.
00:02:06: Ich konnte nicht einschätzen, wer es gut mit mir meinte.
00:02:11: Die unausgesprochenen Regeln verstand ich nicht und ich machte Fehler, die mir niemand erklärte.
00:02:19: Jedes Mal, wenn ich dachte, jemand gefunden zu haben, stand ich wieder alleine da.
00:02:25: Die einzige konstante Verbindung in dieser Zeit als Teenager war mein Rechner.
00:02:32: Spiele wie Counter-Strike oder Command & Conquer gaben mir ein Gefühl von Zugehörigkeit, das ich im echten Leben nicht hatte.
00:02:42: Dort waren Regeln klar und verständlich.
00:02:46: Dort wurde ich nicht missverstanden.
00:02:49: Dort war ich nicht ständig falsch.
00:02:52: Heute weiß ich, dass vieles davon typisch ist für undiagnostizierte Autisten.
00:02:59: Freundschaft war kein natürlicher Prozess, sondern ein Ort voller Unsicherheit und Verletzungen.
00:03:07: Ich wollte nähe, aber mir fehlten die sicheren Bedingungen, um sie aufbauen zu bauen.
00:03:15: Ja, und im Erwachsenalter, mein Staat ins Erwachsenalter fühlte sich an wie Eine Wiederholung meiner Jugend.
00:03:26: Auch hier war mein Rechner mein sicherster Ort.
00:03:29: Spiele wie World of Warcraft, daven mir eine Struktur, die ich im Alltag nicht fand.
00:03:38: Während andere Freundschaften aufbauten, kämpfte ich mich durch Ausbildung, Arbeit und sozialen Situationen, die sich wie frühere Muster anfühlten.
00:03:51: Ausgrenzung, Mobbing.
00:03:53: Missverständnisse.
00:03:54: Das Gefühl immer etwas nicht zu verstehen, obwohl ich mich bemühte.
00:04:02: Ich versuchte trotzdem, Räume zu schaffen für Freundschaft, Spielerabende, Treffen, doch daraus entstand kaum stabile Kontakte.
00:04:14: Viele nahmen etwas mit und gaben nichts zurück.
00:04:18: Ich organisierte alles und blieb am Ende doch allein.
00:04:22: Ich wollte dazugehören.
00:04:24: ohne wieder verletzt zu werden.
00:04:27: Diese Spannung begleitete viele Jahre mein Leben.
00:04:31: Erst mit neunundzwanzig kam zum ersten Mal etwas Neues in mein Leben.
00:04:37: Ein Tinder-Date, ja so witzig wie sich das anhört, dass keine Beziehung wurde, aber eine Freundschaft.
00:04:46: Durch sie lernte ich ihren Freundeskreis kennen.
00:04:52: Eine Gruppe von Frauen die mich nicht verändern wollte, keine Kritik an meiner Art, kein Kampf um Antpassung.
00:05:01: Ich war zum ersten Mal wirklich Teil einer Gemeinschaft.
00:05:05: Wir feierten zusammen, tranken Cocktails, grillten, redeten Stunden lang.
00:05:10: Ich spürte Akzeptanz, wie ich sie nie kannte.
00:05:14: Diese Zeit gehört zu einer der schönsten in meinem Leben.
00:05:20: Doch durch Umzüge, meine Heirat, Corona, und spätere Ortswechsel von mehreren hundert Kilometern löste sich alles langsam auf.
00:05:34: Der Verlust dieser Freundschaft fühlte sich an, als würde ein Traum zerfallen, den man festhalten wollte, aber nicht konnte.
00:05:45: Nach dem Umzug begann eine Einsamkeit, die ich vorher nicht kannte, obwohl ich eine Familie hatte.
00:05:54: fühlte ich mich innerlich leer.
00:05:57: Ich wollte neue Kontakte, doch nichts passte.
00:06:01: Ich habe so viele Sachen versucht, aber niemand verstand meine Art.
00:06:07: Ich zog mich zurück wieder in die digitale Welt, weil sie wenigstens berechenbar war.
00:06:14: Diese Zeit zeigte mir, wie wichtig es ist, echte Freunde zu haben.
00:06:21: und wie schmerzhaft ihr Verlust für neurodivergente Menschen sein kann.
00:06:27: Ja, die letzten fünf Jahre waren ein Kampf, zwei Jahre davon ohne Erklärung, bis die Diagnose kam.
00:06:36: Sie gab mir Antwort, aber machte mich nicht sofort frei.
00:06:42: Die schwerste Zeit begann dann erst die Trennung meiner Frauen.
00:06:46: Ich fiel in eine tiefe Depression und merkte, dass ich niemanden hatte.
00:06:52: der mich auffällt, der mich halten kann.
00:06:57: Ich lernte neue Menschen kennen, doch echte Freundschaft entstand kaum.
00:07:03: Viele Kontakte blieben oberflächlich, andere wurden intensiver, doch wenn Nähe entstand, dann war auch dort immer ein Zeichen von Verletztheit.
00:07:18: Ich wirkte wie fremdgesteuert, ich suchte Bindung, aber konnte sie nicht greifen.
00:07:27: Manche wollten nur körperliches, was mich noch mehr verletzt hat.
00:07:34: Es gab eine Person, die sich wirklich für mich entschied, diese Person hätte Bestand haben können, doch ich verletzte sie und am Ende war ich wieder alleine.
00:07:51: Diese Phase dauerte drei Jahre.
00:07:54: Hoffnung, Brüche.
00:07:56: Verwirrung, Lehre, Depression.
00:08:00: Erst nach meinem Umzug nach Fulda, August diesen Jahres, änderte sich etwas.
00:08:07: Ich hatte eine schönere, größere, hellere Wohnung.
00:08:13: Ich habe das Gefühl, wieder gehabt, zu leben.
00:08:16: Ich fand Menschen, die mich so nehmen, wie ich bin.
00:08:20: Ohne Maske, ohne Erwartungen.
00:08:23: Menschen, die... Meine Direktheit nicht als Angriff sehen.
00:08:29: Menschen, die mir Zeit geben und keine Rollen verlangen.
00:08:36: Zum ersten Mal hatte ich wieder das Gefühl, dass echte Verbindungen möglich sind.
00:08:42: Die Lehre ist aber irgendwie immer noch da.
00:08:45: Aber sie ist leiser geworden.
00:08:50: Vertrauen wächst langsam.
00:08:53: Nähe entsteht nicht sofort.
00:08:55: Aber ich beginne zu verstehen, dass Freundschaft für mich nicht unmöglich ist.
00:09:01: Sie war nur immer anders gebaut als bei anderen.
00:09:07: Ja, und das ist mein jetziger Stand.
00:09:12: Und ich möchte natürlich jetzt auch auf das Allgemeine mit eingehen.
00:09:16: Und da fange ich dann natürlich... Ich bin gerade ein bisschen... Ihr könnt das ein bisschen verstehen.
00:09:26: Freundschaft ist für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil des Lebens.
00:09:32: Bei autistischen Menschen funktioniert sie, aber oft auf andere Weise.
00:09:37: Es geht nicht darum, dass Freundschaft fehlt, sondern dass sie anders entsteht, anders gepflegt wird und anderen Regeln folgt.
00:09:49: Dieser Teil erklärt die wichtigsten Punkte fachlich und klar.
00:09:55: was Freundschaft im autistischen Kontext bedeutet.
00:09:59: Autistische Menschen verstehen Freundschaft nicht automatisch über soziale Signale, unausgesprochene Regeln oder spontane Nähe.
00:10:10: Freundschaft entsteht meist über gemeinsame Interessen, klare Kommunikation und ein sicheres Umfeld.
00:10:19: Nähe baut sich oft langsam auf, Vertrauen ist ein Prozess, der Zeit braucht.
00:10:27: Gehen wir auf den Punkt der Kommunikation.
00:10:30: Viele autistische Menschen wünschen sich direkt und eindeutige Kommunikation.
00:10:37: Smalltalk kann anstrengend sein.
00:10:40: Zwischen den Zeilen lesen fällt schwer.
00:10:42: Das bedeutet nicht mangelndes Interesse, sondern ein anderer Art Informationen zu verarbeiten.
00:10:49: Freundschaft profitiert daher stark von klaren Absprachen.
00:10:55: Dann kommt zum Punkt Energie und soziale Belastung.
00:10:59: Soziale Kontakte können anstrengend sein.
00:11:03: Das liegt nicht an der Person, sondern an den Reizverarbeitung.
00:11:09: Treffen kann schön sein, aber trotzdem erschöpfend.
00:11:14: Freundschaft funktionieren besser, wenn beide Seiten akzeptieren, dass Rückzug keine Ablehnung ist, sondern eine wichtige Pause.
00:11:26: Ja, und der Punkt Bindung ist natürlich auch wichtig.
00:11:29: Autistische Bindung kann tief gehen.
00:11:32: Wenn näher entsteht, ist sie oft ehrlich und stabil.
00:11:36: Doch der Weg dahin ist geradlinig.
00:11:39: Spielchen, Andeutungen und unausgesprochene Erwartungen überfordern.
00:11:47: Beziehungen und Freundschaften funktionieren am besten, wenn Klarheit und Verlässlichkeit vorhanden ist.
00:11:56: Und dafür ist die Authentizität sehr wichtig.
00:12:00: Viele autistische Menschen müssen im Alltag Anpassungen leisten.
00:12:05: In einer Freundschaft darf das nicht nötig sein.
00:12:09: Menschen, die Sicherheit geben, auf eine Kommunikation unterstützen und Druck nehmen, fördern echte Verbindungen.
00:12:18: Missverständnisse, viele Konflikte entstehen, weil autistische und nicht autistische Menschen unterschiedliche soziale Muster haben.
00:12:30: Der eine interpretiert Rückzug als Ablehnung, der andere fühlt sich von zu viel Nähe überfordert.
00:12:38: Wenn beide Seiten wissen, wie der andere funktioniert, sinkt das Risiko für Missverständnisse.
00:12:45: Was gute Freundschaft ausmacht, für autistische Menschen sind Freunde, also Freunde, Menschen, die ehrlich kommunizieren, Interessen ernst nehmen, Grenzen respektieren, Verlässlichkeit zeigen, kein Drama erzeugen und Verständnis für unterschiedliche Energielevel haben.
00:13:08: Ja, zum Abschluss, muss ich noch sagen.
00:13:10: Freundschaft bei Autismus ist möglich.
00:13:13: Sie ist echt tief und wertvoll.
00:13:16: Sie folgt nur anderen Wegen.
00:13:19: Wer diese Wege versteht, baut stabile Beziehungen auf.
00:13:27: Wer sie ignoriert, übersieht einen wichtigen Teil autistischer Realität.
00:13:35: Ja.
00:13:37: Danke, dass du heute dabei warst.
00:13:40: Das war es nämlich mit der Folge.
00:13:42: Wenn dir diese Folge gefallen hat, teile sie gerne, mit anderen und Folge Autismus Talk, um keine weiteren Themen zu verpassen.
00:13:52: Nächste Woche ist das Thema Partnerschaft.
00:13:56: Ja und es würde mich auch freuen, wenn ihr mich unterstützt, weil nur mit eurer Unterstützung Teilen, liken, kommentieren bei meinen ganzen anderen Kanälen.
00:14:07: Ja, damit könnt ihr mir weiterhelfen.
00:14:10: Es kostet kein Geld, nur ein bisschen Zeit, auch wenn Zeit das wertvollste ist.
00:14:15: Aber ich investiere sie auch und das sehr gerne sogar.
00:14:19: Und ja, bei Real Mike findest du meine Streams und Videos rund um Gaming Alltag und echte Einblicke ins Leben mit Autismus.
00:14:30: Bleib echt, bleib du selbst.
00:14:33: Bis zur nächsten Folge und bleib einzigartig!
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